Die erste Sorbin als Dresdner Stollenmädchen

Die Liebe zum Backen wurde Salome schon in die Wiege gelegt, denn aufgewachsen ist sie in der familiengeführten Bäckerei ihrer Eltern in Kamenz. „Sowohl das Handwerk als auch unsere sorbischen Sitten und Gebräuche haben mich tief geprägt“, sagt sie. Die 17-jährige Salome Selnack ist das 28. Dresdner Stollenmädchen und die erste Sorbin in diesem Amt. Ihre sorbischen Wurzeln und ihr außergewöhnliches Hobby – das Moped fahren – machen sie zu einer ganz besonderen Botschafterin des Dresdner Christstollens.

Von: Josi Altmann
Salome beim Stollenanschnitt (Foto: © Stollenschutzverband / Michael Schmidt)

Sorbische Wurzeln und Ausbildung als Konditorin

Für Salome war schon als Kind klar, was Sie werden möchte: Konditorin. Gerne hat sie ihren Eltern in der Backstube geholfen, und sie möchte den Betrieb später einmal auch übernehmen. Sie ist aktuell im 2. Lehrjahr ihrer Ausbildung als Konditorin bei der Bäckerei & Konditorei Donath in Dresden. Als Ausbildungsort überzeugte Salome an Dresden vor allem die Nähe zu Kamenz, denn von dort aus pendelt sie täglich. Nach ihrer Ausbildung hat sie schon klare Ziele vor Augen: ihren Meister machen und weitere Berufserfahrung sammeln, bevor sie den elterlichen Betrieb einmal übernimmt.

Salome ist mit zwei Muttersprachen aufgewachsen und pflegt auch in ihrem Alltag die sorbischen Traditionen. Vor allem das Tragen der festlichen Tracht zu besonderen Anlässen macht ihr viel Freude. Ihre Chefin Ute Donath-Kirsten weiß sehr zu schätzen, dass Salome durch ihre Wurzeln ganz genau weiß, worauf es in der Backstube und Konditorei ankommt. Es mache großen Spaß mit Salome, einer aufgeschlossenen und wissbegierigen Teamplayerin, zusammen zu arbeiten.

Foto: © 2022 Michael Schmidt – www.schmidt.fm

»Pjekarske a konditarske rjemjesło leži mi wosebje na wutrobje. Tohodla wjeselu so jara a je mi wulka česć, zo směm jako lětuša wosuškowa holca skutkować. – Das Bäcker- und Konditorhandwerk liegt mir sehr am Herzen. Ich freue mich deshalb sehr, und es ist mir eine große Ehre, das neue Dresdner Stollenmädchen zu sein.« – Salome Selnack

Wie wird man eigentlich Stollenmädchen?

Der Schutzverband Dresdner Stollen e.V. vertritt seit 1991 die Interessen der Stollen-Bäckereien und Konditoreien aus dem Großraum Dresden und kürt seit 1995 im Herbst ein Dresdner Stollenmädchen. Das Stollenmädchen muss selbstverständlich Ahnung vom Stollenbacken und Kenntnisse der Dresdner Stollengeschichte haben und Leidenschaft für das Handwerk mitbringen.

Zur Wahl stellen sich angehende Bäckerinnen, Konditorinnen oder Fachverkäuferinnen, die alle am Beruflichen Schulzentrum für Agrarwirtschaft und Ernährung Dresden lernen und in einem Mitgliedsbetrieb des Schutzverbandes Dresdner Stollen ausgebildet werden. Salome hat all diese Vorgaben erfüllt und ihr Fachwissen unter anderem in einem Wissenstest unter Beweis gestellt – so stand der Ernennung zum 28. Dresdner Stollenmädchen nichts mehr im Wege.

Leidenschaft zum Handwerk und ein außergewöhnliches Hobby

Salome begeistert nicht nur das traditionelle Konditorhandwerk. In ihrer Freizeit geht sie einem außergewöhnlichen Hobby nach: sie fährt Moped und schraubt auch gerne daran. Deswegen verwundert es nicht, dass sie zum Auftakt ihrer Amtszeit von den Stollenbäckerinnen und Stollenbäckern im Dresdner Verkehrsmuseum auf ihrer Simson-Schwalbe empfangen wurde.

Wie ist die Leidenschaft zum Moped fahren entstanden? Salome ist in einer ländlichen Gegend aufgewachsen. Deswegen entschied sie sich früh dazu mit 16 Jahren den Moped-Führerschein zu machen, um ein Stück Freiheit zu gewinnen. Die Simson-Schwalbe ist ein Familienerbstück, das ihrer Mutter gehörte und unter den Geschwistern weiter gereicht wurde.

In der Backstube beim Stollenbacken (Foto: © Stollenschutzverband // Katharina Grottker)

Salomes Wunsch für ihre Amtszeit und Traditionen zu Weihnachten

Als Botschafterin des goldenen Siegels möchte Salome in ihrer Amtszeit zeigen, wie besonders der Dresdner Christstollen ist. Für Salome Selnack ist er nicht nur irgendein Gebäck: »Er ist der Weihnachtsbotschafter schlechthin und steht für jahrhundertelange Tradition, hochwertige Zutaten und raffiniertes Handwerk: Ich möchte die Menschen auf den Geschmack bringen und zeigen, wie besonders unser Dresdner Christstollen ist.«

Auch zu Hause darf der Stollen nicht fehlen. In diesem Jahr wird Salome ihn natürlich selbst backen. Marzipankugeln sind ebenso als weihnachtliche Leckerei dabei. Die Adventssonntage verbringt Salome traditionell mit ihrer Familie bei einem Kirchbesuch, bei gemeinsamem Mittagessen und Kaffeetrinken. An Heiligabend steht der Stollen schon auf dem Frühstückstisch. Nach einem besinnlichen Tag mit der Familie steht am Abend der Besuch der Messe an.

Sorbische Vokabeln rund um Weihnachten und den Dresdner Christstollen:

Bäckerei/Konditorei – pjekarnja/konditarnja

backen – pjec

Dresdner Christstollen – Drježdźanski božodźěsćowy wosušk

Advent – adwent

besinnliche Vorweihnachtszeit –měrny dohodowny čas

 

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Findest du, dass jeder in der Region Sorbisch lernen sollte?

Jeder sollte für sich entscheiden, ob er Sorbisch lernen möchte. Ich kann aber für mich persönlich sagen, dass ich es cool finde, die Sprache zu verstehen.
Annika
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Gibt es etwas, das du dir für die sorbische Sprache als Besonderheit der Lausitz wünschen würdest?

Es wäre schön, wenn das Interesse an der Sprache erhalten bleibt und auch bei Menschen geweckt wird, die in der Lausitz wohnen und die Sprache bisher noch nicht sprechen.
Lubina Jeschke
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