Reiselustige Familie mit Ankerpunkt in der Lausitz

Von Bautzen/ Budyšin, der zweitgrößten Stadt der Oberlausitz / Hornja Łužica in die zweitgrößte Stadt Japans: Wir haben uns mit dem Sorben, Benjamin Nawka, darüber unterhalten, wie er in Yokohama seine Identität über die Kontinente hinweg lebt und aufrechterhält.

Von: Redaktion "Sorbisch? Na klar."
Das Ehepaar Nawka beim japanischen Essen.
Kulinarischer Genuss: Das Ehepaar Nawka ist im vergangenen Jahr nach Japan ausgewandert. (Bildrecht: Benjamin Nawka)

Geboren und aufgewachsen ist Benjamin Nawka in der sorbischen Region Bautzen/Budyšin, die er scherzhaft „Sorbistan“ nennt. Nach Zwischenstopps in den USA, Taiwan und China zog es ihn vergangenes Jahr beruflich mit seiner Familie nach Japan. Dass die Antwort auf die Frage nach der Heimat nicht immer vom örtlichen Umfeld abhängig ist, ist für den Sorben selbstverständlich. Denn viele Freunde und Teile seiner Familie leben auf der ganzen Welt.

„Ich habe die Erfahrung gemacht: Je weiter ich weg war, desto mehr Menschen haben schon mal von dem Sorbischen gehört. Ich habe schon in New York Sorbisch gesprochen“, erzählt er und lacht. Im Gegensatz dazu seien die zweisprachigen Gebiete, wie die Lausitz, oft für viele Deutsche unbekannt. „In meinem ersten Bewerbungsgespräch wurde ich auf einen vermeintlichen Rechtschreibfehler hingewiesen: Warum da Sorbe steht, es heiße doch Serbe“, erzählt Benjamin Nawka. Die kleine Bildungslücke konnte er aus dem Weg räumen und bekam den Job.

Leben in der japanischen Millionen-Metropole

Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder hat er Transportation Design studiert, ein Studiengang, der sich explizit mit der Gestaltung von Fahrzeugen auseinandersetzt. Mittlerweile arbeitet Benjamin Nawka als Head of Design für Daimler Truck in Asien. Zusammen mit seinen drei Kindern und seiner Frau, die als Managerin für digitale Transformation ebenfalls im Unternehmen arbeitet, lebt er inmitten der Millionen-Metropole Yokohama. Die Stadt ist wesentlich ruhiger, als man es von einer Stadt in der Größe erwarten würde, meint Benjamin Nawka. Insbesondere wenn man sich nicht nur an den touristischen Hotspots aufhalten würde, sei es sehr angenehm. Seine Frau, ebenfalls Sorbin, hat Benjamin Nawka zufälligerweise bei einem Freund in der alten Heimat kennengelernt. Gemeinsam können sie ihre drei Kinder deshalb auch in Japan auf Sorbisch erziehen.

Benjamin Nawka und Zwillingsbruder.
Das Interesse für die Gestaltung von Fahrzeugen liegt in der Familie: Benjamin Nawka und sein Zwillingsbruder studierten beide Transportation Design. (Bildrecht: Benjamin Nawka)

„Zuhause ist, wo Familie ist“

Benjamin Nawka schätzt die sorbischen Bräuche, die über Generationen vermittelt wurden und trägt sie auch an seine Kinder weiter. Für ihn ist es weniger als eine Pflicht, sondern mehr ein Bedürfnis, die sorbische Kultur weiterzugeben: „Egal, wo wir auf der Welt leben, an Karfreitag kommen wir alle zusammen und bemalen Ostereier.“ Das gleiche gelte für die Sprache, denn grundsätzlich ist es eine enorme Bereicherung zweisprachig aufwachsen zu können. Man müsse sich einerseits zwar disziplinieren, Sorbisch auch in einem anderen Land wirklich konsequent zu sprechen, andererseits sei es mit Podcasts und sorbischen Webseiten auch viel einfacher als noch vor 15 Jahren, gibt Benjamin Nawka zu.

Pärchen vor dem Fujiyama.
Gemeinsam mit seiner Frau vor Japans bekanntestem Wahrzeichen – dem Fujiyama (Bildrecht: Benjamin Nawka)

Das Leben der reiselustigen Familie ist geprägt von der Lebendigkeit sorbischer Traditionen und der Offenheit gegenüber neuen Erfahrungen und Kulturen. „Zu Hause ist, wo die Familie ist“, sagt Benjamin Nawka. Im Augenblick ist es in Yokohama, wo er mit seiner siebenjährigen Tochter durch die Straßen schlendert und sie ihm das ein oder andere Straßen- oder Werbeschild von Japanisch auf Sorbisch übersetzen kann.

Vokabeln für Weltentdecker:

Japan – Japanska

Asien – Azija

Ausland – wukraj

Metropole – metropola

Kontinent – kontinent

Welt – swět

 

alle Beiträge laden

Gibt es etwas, das du dir für die sorbische Sprache als Besonderheit der Lausitz wünschen würdest?

Es wäre schön, wenn das Interesse an der Sprache erhalten bleibt und auch bei Menschen geweckt wird, die in der Lausitz wohnen und die Sprache bisher noch nicht sprechen.
Lubina Jeschke
Zum Interview