Fitness und Hip-Hop auf Sorbisch – muss das sein?

Clemens ist Personal Trainer und hat schon Promis wie Melanie Müller (Reality-TV-Darstellerin/Schlagersängerin) oder Mai Duong Kieu (Schauspielerin in der TV-Serie Bad Banks) trainiert. Beruflich ist der 35-jährige heute viel in Leipzig unterwegs. Den Bezug zu seiner Heimat, der Oberlausitz, hat der sorbische Muttersprachler jedoch nie verloren: Er ist seit vielen Jahren Osterreiter, hat früher sorbischen Hip-Hop gemacht und plant aktuell ein sorbischsprachiges Fitnessangebot. Warum ihm das alles wichtig ist, hat er uns selbst verraten.

Von: Vivien Simmel

Clemens, auf deinem Instagram-Kanal habe ich gesehen, dass du schon mit Melanie Müller und Mai Duong Kieu trainiert hast. Welche Promis trainierst du noch?

Ach, so einige. Aber die meisten Namen darf ich nicht nennen. Ich kann aber so viel verraten: Ich trainiere Musiker, Schauspielerinnen und Schauspieler und auch Profisportlerinnen und -Sportler sind dabei.

Hast du auch schon mal ein Training auf Sorbisch durchgeführt?

Ich bin in Schmeckwitz in der Nähe von Panschwitz-Kukau aufgewachsen und hatte schon die ein oder andere Anfrage aus der Heimat. Dann wird im Training auch mal Sorbisch gesprochen. Das kommt aber eher selten vor. Da ich für meinen Job die Heimat verlassen musste, versuche ich jetzt auf andere Weise meinen Teil zum Erhalt der Sprache beizutragen: Ich arbeite momentan an einem Online-Fitness-Programm, das ich auch auf Sorbisch übersetzen will.

Verstehen würden alle Sorbinnen und Sorben ja auch die deutsche Version. Warum machst du dir die Mühe mit der Übersetzung?

Viele Wörter verlieren sich über die Zeit. Ich möchte mit meinem Fitness-Programm eine weitere Möglichkeit für den Alltag schaffen, bei der man ganz nebenbei seinen Wortschatz aufrechterhalten oder sogar erweitern kann.

Wie kommt es, dass sich die Sprache verliert?

Das hat viele Gründe. Einer ist sicherlich, dass es durch die Urbanisierung immer schwerer wird, die Sprache in ihrer Heimat zu behalten. Einige Jobs kann man in der Region momentan nicht ausüben und das führt dazu, dass der Sprachraum vor Ort immer kleiner wird.

Was kann man dagegen tun?

Ich würde mir wünschen, dass die sorbische Sprache trotz der wirtschaftlichen Lage überlebt und dass sich mehr Unternehmen in der Lausitz niederlassen – die Landschaft ist ja wunderschön. Wir brauchen Arbeitsplätze, damit die Region für junge Menschen attraktiv bleibt. Auch das gehört dazu, um eine Sprache zu erhalten. Aber davon abgesehen, kann jeder, der die Sprache ein bisschen beherrscht, seinen Teil dazu beitragen, dass das Aussterben der sorbischen Sprache solange es geht hinausgezögert wird. Das versuche ich zum Beispiel mit meinem Fitness-Programm auf Sorbisch.

Clemens Eckert - Sorbisch? Na klar.
Clemens verlegt seine Trainigseinheiten gern in die Natur. (Foto: privat/Clemens Eckert)

Hast du deswegen früher auch auf Sorbisch gerappt?

Ja. Es war mir schon damals ein Anliegen, neben Deutsch auch auf meiner Muttersprache Sorbisch zu rappen. Es ist wichtig, der Jugend in der Region die Sprache schmackhaft zu machen. Vor ein paar Jahren war Hip-Hop aktuell, heute ist es eher elektronische Musik.

Als „Serbska GmbH“ ist unser Hip-Hop-Projekt gemeinsam mit dem Sorbischen National-Ensemble aus Bautzen durch die Region getourt.

Hier geht es zu einem Video der Serbska GmbH.

Wer war euer Publikum?

Verschiedene Menschen. Sorbische Muttersprachler, klar. Aber auch Leute, die die Sprache nicht verstanden haben, sich aber für die zweite Sprache der Region interessierten. Das wir Hip-Hop mit Orchesterklängen kombiniert haben, war schon ein besonderes Projekt.

Und von welchen Themen handeln deine Texte?

Ich war nie der Battle-Rap-Typ, sondern eher auf der Keep-it-real-Schiene unterwegs. Die Rap-Texte erzählen Geschichten und berichten von dem, was mich gerade bewegt. Meine sorbischen Texte haben sich zum Beispiel kritisch mit der Situation der Sorbinnen und Sorben auseinandergesetzt. Ein Text heißt übersetzt „Die kranke Linde“. Die Linde ist das Symbol der Sorbinnen und Sorben. In dem Text spricht die Linde über ihre Situation; keiner sieht sie mehr; sie trocknet immer mehr ein.

Entstand der Text, weil du das Sorbische damals bedroht gesehen hast?

Ich sehe es immer noch bedroht. Vielen ist es egal, was mit der Sprache passiert. Dabei ist es so wichtig, gemeinsam etwas für die Sprache zu tun, denn jede weitere Sprache macht die Welt schöner. Und das muss gar nicht mit viel Aufwand verbunden sein. Ich nehme zum Beispiel auch an Traditionen wie dem Osterreiten teil, weil hier auf Sorbisch gesungen und gebetet wird. Wäre dieses Jahr das Osterreiten nicht ausgefallen, wäre ich zum 21. Mal als Osterreiter mitgeritten. So kann jeder einen Weg finden, um seinen persönlichen Beitrag zum Erhalt der Sprache beizusteuern – sei es in Gesprächen, in Kunst und Kultur, Sport oder anderen Bereichen.

Danke für das Interview, Clemens!

 

Beitragsbild: Clemens ist Personal Trainer und plant auch ein Online-Fitness-Programm auf Sorbisch. (Foto: privat/Clemens Eckert)

alle Beiträge laden

Was wünschen Sie sich für das Schleifer Sorbisch?

Was man jetzt nicht erhält, wird auch in der Zukunft nicht mehr da sein. Jemand, der jetzt die Sprache spricht, sollte sie deswegen auch weitergeben. Denn jede Sprache ist ein Schatz, den wir bewahren sollten.
Juliana Kaulfürst
zum interview