Die sorbische Sprache als Urlaubssouvenir

Heiko Kosel hatte nie geplant, Ferienwohnungen zu betreiben. Als sich eher zufällig die Gelegenheit dazu ergab, war dem Oberlausitzer aber eines sofort klar: Wenn er Gäste empfängt, dann auf eine authentische Art und Weise – und dazu gehört für ihn neben liebevoll eingerichteten Wohnungen auch die sorbische Sprache.

Von: Vivien Simmel

Hospoda. So lautet der Name des Ferienhauses im kleinen naturschönen Wartha (Obersorbisch: Stróža). Hospoda, erklärt mir Heiko in unserem Gespräch, ist das sorbische Wort für Herberge. Aber auch in vielen weiteren slawischen Sprachen ist dieses Wort geläufig. Und das sorbische Namenskonzept zieht sich durch: Das kleine Haus, das am nächsten am Olbasee liegt, wurde passender Weise nach der sorbischen Sage „Wódny muž (Deutsch: Wassermann) benannt; die Wohnungen tragen sorbische Vogelnamen. „Wir wollten damit die geografische Lage aufgreifen: Denn Wartha liegt im Biosphärenreservat der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft und gehört außerdem zum sorbischen Siedlungsgebiet“, sagt Heiko.

Die Namen der Ferienwohnungen:
mórski worjoł     Seeadler
žuraw     Kranich
rybačk     Eisvogel

Erster Kontakt zur sorbischen Sprache – Die meisten Gäste sind überrascht

Heiko ist Eigentümer der Ferienwohnungen; seine Eltern unterstützen ihn dabei, diese zu betreiben. Seine Mutter Měrka begrüßt als gute Seele des Hauses meistens die Gäste. Sie erzählt uns: „Viele unserer internationalen Gäste kommen aus Polen, Tschechien oder Russland. Sie haben unsere Ferienwohnungen meist wegen des slawischen Namens ,Hospoda‘ gefunden und freuen sich immer sehr, wenn wir sie sogar in ihrer Muttersprache begrüßen. Diese Geste trägt dazu bei, dass sich unsere Gäste willkommen geheißen fühlen. Mein Sohn spricht sehr gut Polnisch, Tschechisch und Russisch. Und auch ich habe mir Grundkenntnisse der Sprachen für unsere Gäste angeeignet. Dadurch, dass Sorbisch unsere Muttersprache ist, konnten wir die anderen slawischen Sprachen leichter erlernen. Mit Sorbisch kann man sich wirklich die halbe Welt sprachlich erschließen.“

So manch ein Gast aus Polen, Tschechien und Russland sei überrascht, dass es mit Sorbisch noch eine weitere slawische Sprache gibt. Aber auch Gäste aus Deutschland staunen oft nicht schlecht, wenn sie auf dem Hof eine Sprache hören, die sie vorher noch nicht kannten: „Unsere Gäste hören die sorbische Sprache bei uns manchmal zum ersten Mal. Sie ist nicht nur unsere Familiensprache, sondern auch unsere Arbeitssprache hier auf dem Hof. Das weckt Interesse und wir beantworten gern alle Fragen. Für uns ist es selbstverständlich, unser Wissen zur Region und der sorbischen Sprache mit unseren Gästen zu teilen“, berichtet Heiko. Seine Mutter ergänzt: „Immer wieder nehmen Gäste ein paar sorbische Grundbegriffe sogar als Souvenir mit nach Hause.“

Eine besonders schöne Geschichte verdeutlicht dabei, was für ein schönes Souvenir Vokabeln sein können: Einmal saß Měrka Kosel mit einem Mädchen, das mit ihrer Familie Urlaub in der Lausitz machte, zusammen am Teich. Weil hier viele Unken und Frösche zu Hause sind, erwähnte Měrka die sorbischen Übersetzungen (Frosch: žaba und Unke: kunkawa). Das Mädchen merkte sich die Wörter sofort und hatte ganz nebenbei im Urlaub eine neue Sprache kennengelernt. Ihre Eltern waren begeistert.

Heiko Kosel in einer historischen sorbischen Männer-Tracht. (Foto: privat/Heiko Kosel)

Sorbisch ist eine echte Herzensangelegenheit

Heiko ist mit Sorbisch und Deutsch aufgewachsen. Aus einem Grund hatte die sorbische Sprache in seiner Kindheit jedoch immer einen kleinen Vorsprung: „Während die deutsche Sprache durch ihre zusammensetzbaren Substantive besonders gut statische Zustände beschreiben kann, ist die sorbische Sprache mit ihrer starken Ausprägung der Verben besonders gut für Märchen und Erzählungen geeignet. Als Kind bin ich mit Märchen aufgewachsen und liebte die sorbischen Geschichten meiner Verwandten.“ Als Jugendlicher hat Heiko dann bewusst wahrgenommen, dass die sorbische Sprache vom Aussterben bedroht ist. Seitdem versucht er im Alltag seinen Beitrag dazu zu leisten, dass seine Muttersprache auch in Zukunft erhalten bleibt. „Ich wünsche mir, dass die sorbische Sprache nicht nur für Haus und Garten da ist, sondern auch in der Öffentlichkeit gesprochen wird. Ob in der Verwaltung, bei Märchen oder eben als Gastgeber einer Ferienwohnung: Sorbisch hat einen Platz im öffentlichen Leben verdient.“

Auch seiner Mutter ist dies eine Herzensangelegenheit: „Jede Sprache ist schön und wertvoll. Wir sollten alles Mögliche tun, um auch die sorbische Sprache zu erhalten. Besonders bei den Kindern sehe ich: Wird eine Sprache im Alltag erlebt, dann bleibt schnell etwas hängen. Viele Kinder haben Spaß daran, ihre Eltern morgens in einer neuen Sprache zu begrüßen und das bereitet auch mir jedes Mal wieder eine Freude.“

 Hier kann man sich wohlfühlen: Die Ferienwohnung Hospoda in Wartha. (Foto: privat/Heiko Kosel)

Hier kannst du dir das Ferienangebot Hospoda anschauen.

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Gibt es etwas, das du dir für die sorbische Sprache als Besonderheit der Lausitz wünschen würdest?

Es wäre schön, wenn das Interesse an der Sprache erhalten bleibt und auch bei Menschen geweckt wird, die in der Lausitz wohnen und die Sprache bisher noch nicht sprechen.
Lubina Jeschke
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