Warum Bautzen dem zweifachen Olympioniken Maik Petzold zum Erfolg verhalf

Schwimmen, Radfahren, Laufen – in Athen und London trat Triathlet Maik Petzold bei Olympia an und war in Peking Ersatzmann. Als talentierter Hochleistungssportler reiste der 43-Jährige rund um die Welt und kehrte doch immer wieder in seine Heimatstadt Bautzen zurück. Warum diese ihm sogar zum Erfolg verhalf und warum er es bereute, im Englischunterricht nicht motivierter gewesen zu sein, liest du in unserem Interview, für das sich der ehemalige Spitzensportler Zeit genommen hat.

Von: Stefan Rennert

Maik, du warst als Spitzensportler viel unterwegs. Heute wohnst du wieder in Bautzen. Warum hast du dich dazu entschieden?

Ich bin in Bautzen aufgewachsen und fühle mich sehr mit der Stadt verbunden. Hier sind meine Wurzeln. Meine Familie und meine Freunde geben mir das Gefühl von Heimat. Deswegen bin ich auch während meiner Zeit als Hochleistungssportler immer wieder gern nach Hause gekommen. Das hat mir auch bei meiner Karriere geholfen.

Wie meinst du das?

Ich war einige Zeit am Bundesstützpunkt für Triathlon in Saarbrücken. Dort ist die Infrastruktur für Hochleistungssport einfach super und ich konnte mit anderen Spitzensportlern gemeinsam trainieren. Dennoch herrschte dort auch ein gewisser Konkurrenzdruck, klar, alle arbeiteten auf Medaillen und Ränge hin.
Dieser gewissen Spannung zwischen den Athleten konnte ich ausweichen, indem ich in den Ruhewochen nach Hause fuhr. In Bautzen sah ich nicht, ob die anderen wie verrückt weitertrainierten. Zudem konnte ich mich in meiner Heimatstadt erden: Mein Vater, der auch mein Trainer war, sagte mir zum Beispiel immer wieder, dass ich die Beine hochlegen soll. Zudem half es mir, das Leben meiner Freunde fernab vom Leistungssport mitzubekommen, um mich selbst zu reflektieren. Bautzen war also mein Ruhepol, an dem ich meine Akkus aufladen konnte. So habe ich immer gut meine Wettkämpfe bestreiten können.

Einer deiner größten Erfolge war dabei die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Was hast du für dich aus dieser Erfahrung mitgenommen?

Auf jeden Fall hat mich der olympische Gedanke geprägt: Dass so viele verschiedene Nationen zusammenkommen, um friedlich eine Sportveranstaltung abzuhalten, ist schon sehr bewegend. Bei Olympia geht es eben nicht nur darum, Medaillen zu gewinnen. Es geht auch um den kulturellen Austausch. So habe ich zum Beispiel das Erlernen von Sprachen richtig zu schätzen gelernt. Damals habe ich mich geärgert, im Englischunterricht nicht motivierter gewesen zu sein. Mittlerweile beherrsche ich die Sprache gut. Nur mein Sorbisch sitzt leider nicht mehr. Dafür versuche ich, verschiedene Sprachen bei meinen Kindern zu fördern.

 Familienlauf im Rahmen des Bautzener Stadtlaufs 2019. (Foto: Maik Petzold)

Warum findest du dabei auch die sorbische Sprache wichtig?

Meine Oma väterlicherseits hat Sorbisch gesprochen. Meine Eltern haben die Sprache zwar nicht mit uns gesprochen, ich habe aber Sorbisch in der Schule gelernt. Auch wenn ich vieles vergessen habe, weil ich die Sprache dann nicht mehr anwenden konnte, ist es mir wichtig, dass auch meine Kinder eine sorbische Schule besuchen. Denn mit jeder Sprache hat man etwas gewonnen. Das wurde mir auf meinen Reisen klar. Ich kann alle hier vor Ort nur dazu ermutigen, stolz auf die sorbische Sprache zu sein – egal, ob man sie selbst spricht oder nicht. Immerhin haben wir es geschafft, dass es diese Minderheitensprache in unserer Region noch gibt. Deswegen habe ich auch immer gern davon erzählt: Viele Olympioniken wissen durch mich, dass es hier die sorbische Sprache gibt.

Hier geht es zur Webseite des Triathleten Maik Petzold.

Heute hast du als Sportlehrer an der Berufsschule Bautzen eine neue erfüllende Aufgabe gefunden. Fieberst du bei Olympia dennoch eifrig mit?

Auf jeden Fall! Olympia begeistert mich besonders, weil hier auch den Randsportarten wie Triathlon eine wichtige Bühne geboten wird. Sport zentriert sich in den letzten Jahren immer mehr auf Fußball, Tennis und Co., da ist Olympia besonders wichtig. Außerdem kenne ich die beiden qualifizierten männlichen Triathleten – da drücke ich natürlich besonders die Daumen.

 

Beitragsbild: Olympia London 2012: Maik (links im Bild) auf der Abschlussfeier zusammen mit Ole Bischof und Matthias Steiner. (Foto: Maik Petzold)

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Was wünschen Sie sich für das Schleifer Sorbisch?

Was man jetzt nicht erhält, wird auch in der Zukunft nicht mehr da sein. Jemand, der jetzt die Sprache spricht, sollte sie deswegen auch weitergeben. Denn jede Sprache ist ein Schatz, den wir bewahren sollten.
Juliana Kaulfürst
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