Reisebericht: Eine zufällige Begegnung in Cunnewitz

Als ich mir die alten Fotos von unserer Reise in die Lausitz nochmal ansehe, bleibe ich bei einem Foto hängen. Auf dem Foto lächelt mir ein älterer Herr aus Cunnewitz entgegen. Ich bin ihm damals rein zufällig begegnet, habe von ihm aber einen Ratschlag fürs Leben bekommen, an den ich heute noch oft denke.

Von: Vivien Simmel

Es ist schon nachmittags als wir von Dorf zu Dorf fahren und eine kleine Pause machen wollen. Einfach mal kurz raus und die Beine vertreten. Wir halten spontan in dem kleinen Ort Cunnewitz. Aus einem Schornstein steigt Rauch auf. Es riecht nach Holz und es könnte sogar sein, dass jemand nicht weit von hier zwischen Apfelbäumen und Gartenschuppen gerade etwas räuchert. Es ist idyllisch, fast schon entschleunigend hier in Cunnewitz.

In einer Hofeinfahrt unweit von unserem Auto erscheint nun ein gemütlich wirkender, freundlicher Herr, der uns von weitem einen lieben Gruß zuruft. Angesteckt von seiner offenen Art, beschließen wir zu ihm zu gehen. Vielleicht kann er uns etwas zu dieser verträumten Ecke der Oberlausitz erzählen. Der Cunnewitzer empfängt uns warmherzig und wir fangen an zu plaudern. Angesprochen auf die zweisprachigen Ortsschilder erzählt er uns irgendwann, dass Sorbisch seine Muttersprache ist. Auch an seine Kinder habe er die Sprache weitergegeben. Nach Auslandsaufenthalten und Welterkundungen sind diese nun in die alte Heimat zurückgekehrt, sodass wiederum ihre Kinder jetzt zusammen mit Oma und Opa in der Oberlausitz aufwachsen können. Auch mit seinen Enkelkindern spricht er nun Sorbisch und betont bei seinen Erzählungen, wie wertvoll er es findet, wenn Kinder mit zwei oder mehreren Sprachen aufwachsen.

Gastfreundschaft wird in Cunnewitz großgeschrieben. Ein Foto von unserer Reise im Dezember (Foto: Redaktion)

Mir fällt besonders sein gelassener Umgang mit der Mehrsprachigkeit auf. Seine Worte, dass man sich trotzdem darüber bewusst sein muss, dass eine Sprache nur erhalten werden kann, wenn sie gepflegt wird, konnte ich sofort nachvollziehen. Zu gut kenne ich das Gefühl: Die Französischvokabeln aus der achten Klasse sind verschwunden. Ich habe die Sprache zu lange nicht gesprochen. Oft habe ich mich einfach nicht getraut oder Angst gehabt, etwas falsch auszusprechen. Als ich meine Gedanken dazu mit unserem neuen Bekannten teile, hat der einen weisen Ratschlag für mich: Es komme nicht darauf an, jedes Wort einer weiteren Sprache perfekt zu beherrschen. Auch wenn man sich an einige Wörter nicht erinnert oder diese falsch ausspricht, wird der Gegenüber einen verstehen und sich über die Bemühungen freuen. Eine Sprache bleibt nur in Erinnerung, wenn man sie spricht. Und dann kommt das Sprachgefühl von ganz allein.

Beitragsbild: Die Ortsschilder in Cunnewitz sind zweisprachig. (Foto: Redaktion)

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Gibt es denn etwas, das du dir für die sorbische Sprache wünschen würdest?

Ich würde mir wünschen, dass die Sprache nicht verloren geht. Manchmal macht es mich echt nachdenklich, wenn drei Freunde, die eigentlich alle Sorbisch können, nur noch Deutsch miteinander sprechen.
DJ Madstep
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