Die 20. Lausitzer Fischwochen

Der Herbst beginnt und läutet die Fischsaison in der Oberlausitz ein. Besonders das Karpfenangeln hat mittlerweile Kultstatus erreicht. Bis Anfang November sind die Speisepläne der Oberlausitzer Gaststätten voll mit herrlichen Fischgerichten. Wir werfen einen Blick auf die Geschichte und zeigen euch die Veranstaltungshighlights samt der Kulinarik dieses regionalen Kulturerlebnisses.

 

Von: Linda Napier

Fischen seit dem 13. Jahrhundert

Die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft versprüht mit ihren unzähligen kleinen und großen Seen einen ganz besonderen Charme. Hier befindet sich nicht nur das größte wirtschaftlich genutzte Teichgebiet in Europa, sondern auch ein Ort voll mit ursprünglicher Natur, die viele seltene Tier- und Pflanzenarten beheimatet. Der Seeadler ist nur eine der vielen Attraktionen, die Besucher erwartet. 1996 wurde die 30.000 Hektar große Naturregion als UNESCO-Biosphärenreservat anerkannt. Es ist also nicht verwunderlich, dass Menschen schon seit jeher die Landschaft besuchen und auch bewirtschaften. Seit dem 13. Jahrhundert werden hier Fische gefangen und verarbeitet. Die „Ernte des Jahres“ findet schon immer im Herbst statt, wo die Teichlandschaft besonders reich an köstlichem Speisefisch ist. Aus dieser Erntezeit entwickelte sich ein Brauch, der zunehmend auch Touristen in die Gegend lockt – verzaubert von Natur und Kulinarik.

Tradition der Fischwochen – Karpfenjagd, Abfischfest & Fischzug

Die Karpfenaufzucht in der Oberlausitz hat eine lange Tradition. Mittlerweile werden an die 1.000, teils selbst angelegte Gewässer mit einer Fläche von 5.200 Hektar speziell für Karpfen bewirtschaftet. Diese Teichlandschaft ist die Heimat des Spiegelkarpfens, einer Delikatesse der Region. Auch werden hier Zander, Hecht und Stör gezüchtet. Anfang September bis Mitte November findet die Abfischsaison statt. Männer in wasserdichten Hosen und Jacken stehen kniehoch im Wasser und fischen die Karpfen mit großen Fangnetzen aus den Teichen. Danach werden sie auf einen Lastwagen verladen und weiterverarbeitet.

Weiterführende Informationen:

Allgemeine Infos zu den Lausitzer Fischwochen .

Hier findet ihr eine Karte, die euch zeigt, wo ihr Lausitzer Fisch erleben und genießen könnt.

Bild der Oberlausitzer Heide und Teichlandschaft

Was früher nur den Fischern überlassen war, wird heutzutage auch gerne von den Oberlausitzern und deren Besuchern übernommen – das Abfischfest bietet die Möglichkeit, hautnah mitzuerleben, wie die Karpfenjagd abläuft und dabei selbst tatkräftig zu unterstützen. Das Abfischfest beginnt früh morgens mit dem „Fischzug“, wo die Fischer zu den Teichen wandern und ihre Arbeit beginnen. Besonders bekannt ist hier der Fischzug an der Schwarzen Lache in Kreba-Neudorf. Wer das Schauspiel lieber nur beobachten will, kann an einer der spannenden Teichwanderungen mit geführter Exkursion teilnehmen.

Traditionelle Fischgerichte aus der Region in den Fischwochen

Nach der harten Arbeit des Abfischens darf die Kulinarik nicht zu kurz kommen. Die Oberlausitzer Fischbetriebe zaubern in den Lausitzer Fischwochen ganz besondere Fischgerichte auf ihre Speisekarten, die für Jung und Alt ein wahrer Gaumenschmaus sind. Wir haben mit Monika Lukasch gesprochen, die das Restaurant Wjelbik in Bautzen zusammen mit ihrer Familie leitet. „Für uns ist es wichtig, dass der Karpfen auf der Fischkarte ist – aus Überzeugung und aus Liebe zur Region.“ Besonders beliebt bei regionalen und touristischen Gästen ist der Karpfen mit Rotkraut und Meerrettich.

 

Lausitzer Fischrezept zum Nachkochen

Ihr möchtet gerne nach einem erfolgreichen Abfischfest selbst in der Küche ein sorbisches Gericht nachkochen? Am besten besucht ihr einen traditionellen Wochenmarkt in Bautzen, wo ihr den fangfrischen Fisch in allen Variationen erwerben können. Wir haben ein köstliches Rezept für die Zubereitung des Oberlausitzer Karpfens für euch:

 Lausitzer Karpfen in polnischer Tunke

  • 1 kg Karpfen
  • 1 EL Essig
  • 1 EL Salz
  • 250 g Wurzelwerk
  • 50 g Zwiebeln
  • 50 g Butter
  • 0,75 l Bier
  • 0,25 l Wasser
  • 60 g Soßenkuchen
  • Rosinen
  • Mandelstifte
  • 1/2 Bio- Zitrone
  • 2 EL Zucker
  • 2 EL Speisestärke
  1. Ausgenommenen Karpfen halbieren, Kopf und Schwanz entfernen.
  2. Den Karpfen in 3-4 Stücke teilen und mit Essig und Salz einreiben.
  3. Den eingelegten Karpfen eine halbe Stunde ziehen lassen.
  4. Butter in einer Pfanne zerlassen und das gewürfelte Wurzelwerk mit Bier, Wasser und einer Prise Salz eine halbe Stunde andünsten lassen.
  5. Geriebener Soßenkuchen, Rosinen, Mandelstifte, und in Scheiben geschnittene Zitrone mit dem Gemüse kochen lassen.
  6. Polnische Tunke mit Salz und Zucker abschmecken und mit Speisestärke binden.
  7. Karpfenstücke in Tunke ca. 20 Min. schmoren lassen.

Die Lausitzer Fischwochen finden noch bis 31. Oktober 2021 in der Oberlausitzer Heidelandschaft rund um Bautzen statt. Lasst es euch schmecken – Njech wam zesłodźi!

(Beitragsbilder: Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien mbH)

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Gibt es denn etwas, das du dir für die sorbische Sprache wünschen würdest?

Ich würde mir wünschen, dass die Sprache nicht verloren geht. Manchmal macht es mich echt nachdenklich, wenn drei Freunde, die eigentlich alle Sorbisch können, nur noch Deutsch miteinander sprechen.
DJ Madstep
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