Sorbisch in der digitalen Welt? – Na klar!

„Wer oder was in Zukunft weiter angemessen wahrgenommen werden will, muss auch in der digitalen Welt präsent sein.“ – diesen Leitsatz hat Wito Bejmak (deutsch: Böhmak) einmal selbst formuliert. Der studierte Informatiker leitet die Sorbische Zentralbibliothek und das Sorbische Kulturarchiv im Sorbischen Institut / Serbski Institut in Bautzen. Bereits seit Jahren setzt er sich für den Erhalt der sorbischen Sprache ein und greift dabei bewusst auf die Möglichkeiten der Digitalisierung und Neuen Medien zurück. Für sein Engagement für die Anwendung der sorbischen Sprache gerade in der digitalen Welt wurde er nun mit dem „Zejler-Preis“ 2022 ausgezeichnet.

Von: Josi Altmann
Kulturministerin Barbara Klepsch übergibt Wito Bejmak / Böhmak den Zejler-Preis 2022
Kulturministerin Barbara Klepsch übergibt Wito Bejmak / Böhmak den Zejler-Preis 2022 bei der feierlichen Preisverleihung in der Kirche Lohsa (Foto: Maćij Bulank / Matthias Bulang)

Wegbereiter für die sorbische Sprache in der digitalen Welt

In Zeiten zunehmender Globalisierung, Mobilität und Digitalisierung ist es eine besondere Herausforderung, eine Sprache und Kultur, die nur von einer verhältnismäßig kleinen Zahl von Menschen gesprochen und gelebt wird, zu erhalten und an künftige Generationen weiterzugeben. Ohne das vielfältige, oft freiwillige Engagement vieler Menschen wäre das nicht möglich.

Wito Bejmak ist einer dieser Engagierten. Neben seiner beruflichen Tätigkeit legte er seit den 1990er Jahren die Grundlagen für die digitale Anwendung der sorbischen Sprache und damit auch der sorbischen Kultur und Überlieferung. Heute ist er ausgewiesener Experte für die Anwendung der sorbischen Sprache im Bereich der digitalen Welt und der neuen Medien. Auch dank seiner Initiativen ist das Sorbische fest in der digitalen Welt verwurzelt und für Anwender und Interessierte zugänglich.

Screenshot von Soblex
Das umfassende digitale sorbische Wörterbuch »Soblex« ist nur eines der zahlreichen Projekte von Wito Bejmak, das direkten positiven Einfluss auf den Alltag der sorbischen Gemeinschaft hat.

Im Kontakt mit Microsoft für alltagstaugliches digitales Sorbisch

Schon frühzeitig programmierte Wito Bejmak einen Druckertreiber, um Dokumente in sorbischer Sprache drucken zu können. Später folgte die Entwicklung eines Tastaturtreibers für das Schreiben in Sorbischer Sprache am Computer im Betriebssystem Windows NT.

Gemeinsam mit einem Kollegen nahm er 2005 Kontakt zu Microsoft auf und konnte erreichen, dass Ober- und Niedersorbisch seitdem als offizielle Sprachen im Betriebssystem Windows fest etabliert sind. Es folgten weitere Projekte, unter anderem die Entwicklung von »Soblex«, einem umfassenden digitalen Wörterbuch für die sorbische Sprache.

Doch damit nicht genug: Aktuell forscht und baut Wito Bejmak beispielsweise an Erkennungsmodulen für eine automatisierte Schrifterkennung (OCR) von sorbischen Texten innerhalb von Bildern.

»Skupina Astronawt« beim Musizieren
Das sorbischsprachige Musikprojekt »Skupina Astronawt« sorgte für die stimmungsvolle Untermalung der Zejler-Preisverleihung in der Kirche Lohsa. (Foto: Maćij Bulank / Matthias Bulang)

Auch in der analogen Welt vielfältig engagiert

Wito Bejmak ist vielseitig interessiert und engagiert. Neben seiner Leidenschaft für Informatik und Digitalisierung ist er seit den 1990er Jahren Mitglied der regional erfolgreichen Kabarettgruppe »Lózy hólcy« (deutsch: »Böse Jungs«). Außerdem schrieb er die Libretti für sechs Vogelhochzeitprogramme des Sorbischen National-Ensembles / Serbski ludowy ansambl. Darüber hinaus führt er an der Sorbischen Grundschule Radibor / Serbska zakładna šula Radwor interessierte Schüler in der AG »Robotik« an sorbische Fachtermini heran.

Christina Meschgang reicht Wito Bejmak die Hand.
Preisträger unter sich: 2020 wurde die sorbische Bibliothekarin und Autorin Christina Meschgang mit dem Zejler-Preis ausgezeichnet. (Foto: Maćij Bulank / Matthias Bulang)

Zejler-Preis für besonderes Engagement für die sorbische Sprache

Wito Bejmak ist bereits der fünfte Zejler-Preisträger. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung des Sächsischen Kulturministeriums wird aller zwei Jahre verliehen und prämiert herausragende oder beispielhafte Leistungen für Erwerb, Gebrauch und Vermittlung der sorbischen Sprache. Namensgeber des Preises ist der Dichter, Publizist und Theologe Handrij Zejler, der als Begründer der modernen sorbischen Literatur gilt. Die Preisverleihung fand am 19. Oktober 2022 in der Kirche der Evangelischen Kirchengemeinde Lohsa statt, in der Zejler mehrere Jahre als Pfarrer wirkte.

Sorbische Vokabeln rund um die digitale Welt:

Digitalisierung – digitalizowanje

Informatik – informatika

Computer – kompjuter

programmieren – programěrować

Druckertreiber – ćišćakowy ćěrjak

Weiterführende Links:

 

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Gibt es etwas, das du dir für die sorbische Sprache als Besonderheit der Lausitz wünschen würdest?

Es wäre schön, wenn das Interesse an der Sprache erhalten bleibt und auch bei Menschen geweckt wird, die in der Lausitz wohnen und die Sprache bisher noch nicht sprechen.
Lubina Jeschke
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