ZARI: Die Revitalisierung der sorbischen Sprache
Die sorbische Sprache und Kultur sind tief in der Lausitz verwurzelt. Doch was passiert, wenn immer weniger Menschen Sorbisch sprechen? Wie kann eine Sprache lebendig bleiben, wenn sie mehr und mehr aus dem Alltag verschwindet? Genau diesen Fragen widmet sich das Projekt ZARI (syć za serbsku rěč a regionalnu identitu) im Rahmen des Programms „Sorbische Sprache und Kultur im Strukturwandel“. Das Ziel? Mit vielfältigen Angeboten und einem starken Netzwerk Sorbisch in der Lausitz wieder zu verankern und sicht- und vor allem hörbar machen!
„ZARI ist für mich die Erweiterung der Horizonte durch das Eintauchen in die sorbische Sprache und Kultur. Denn Sprache ist nicht nur ein Mittel der Kommunikation, sondern auch eine Möglichkeit, anderen die innere Welt des Menschen, mit dem man spricht, näherzubringen.“
– Yana Humenna, Teilnehmerin.
Dieses persönliche Feedback zeigt, was ZARI bewirken möchte: Sprache verbindet Menschen, schafft Verständnis und öffnet Türen zu neuen Welten.
Wie macht ZARI das Sorbische sichtbarer?
Seit dem Jahr 2022 wird ZARI in Trägerschaft der Domowina durchgeführt. Kern des Projekts ist der Aufbau eines Netzwerks, das Menschen aus der Region in ihrem Engagement für die sorbische Sprache und Kultur unterstützt. ZARI ist eine Anlaufstelle für engagierte Menschen, die sich für den Erhalt des Sorbischen in der Lausitz einsetzen. Bis 2038 fördert die Stiftung für das Sorbische Volk das Projekt mit Mitteln des Bundesministeriums des Innern und Heimat.
Angebote für alle: Von Sprach-Treffs bis hin zu Kreativworkshops
ZARI bietet zahlreiche Veranstaltungen und Kurse an, um die sorbische Sprache spielerisch und alltagsnah zu fördern. Bis 2100 soll so eine lebendige Sprachgemeinschaft mit 100.000 Sorbisch Sprechenden entstehen.
Sprach-Treffs: Dort wird Sorbisch im Gespräch lebendig. Interessierte treffen sich mit Muttersprachlern, üben die Aussprache und eignen sich einen ersten Wortschatz an.
Schreib- und Lesekurse: Die Teilnehmenden lernen die Grundlagen des Lesens und Schreibens der sorbischen Sprache.
Kreative Workshops: Je nach Saison bietet ZARI auch Kreativkurse an. In der Osterzeit kann beispielsweise die Kunst des traditionellen sorbischen Ostereier-Bemalens erlernt werden. Regelmäßig finden zudem Töpferkurse statt, die das traditionelle Handwerk aus der Lausitz lebendig halten sollen.
Workshops und Fachvorträge werden bereitgestellt, um die obersorbische Sprache und Kultur präsent erscheinen zu lassen (Bild: ZARI)
Ehrenamt stärken: Unterstützung für Vereine und Gruppen
Ehrenamtliche leisten einen wichtigen Beitrag zum Bewahren der sorbischen Sprache und Kultur. Ob Vereine, Gruppen oder Künstler – sie alle finden durch ZARI nicht nur Gleichgesinnte, sondern auch hilfreiche Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Projekte. Konkret analysieren die Kulturvermittler von ZARI die Bedürfnisse der Ehrenamtler, helfen bei der Vernetzung untereinander und unterstützen insbesondere Laien mit Weiterbildungen.
Mittlerweile ist so ein starkes regionales Netzwerk entstanden, das Kunst- und Kulturschaffende dabei unterstützt, sich kreativ zu entfalten und mit professionellen Künstlern und Künstlerinnen zusammenzuarbeiten. ZARI hat all diese Angebote als Ankerpunkte in einer Karte gebündelt. Sie zeigen, wo die sorbische Kultur aktiv gelebt wird. Das Beste: Es gibt immer mehr Pins, also Ankerpunkte, auf der Karte – ein klares Zeichen für den Erfolg des Projekts.
Das Team hinter ZARI
"Mit ZARI versuchen wir, Menschen in der Lausitz wieder mit ihrem sorbischen Erbe zu verknüpfen – ob durch Gesang, Wandern, gemeinsames Kochen, Sprachkurse oder Vorträge. So wollen wir sorbische Sprache und Kultur in jene Regionen zurückbringen, aus denen sie in den letzten 100 Jahren beinahe verschwunden sind." - Julian Nyča, Projektleiter ZARI für regionale Identität und sorbische Sprache
Bei ZARI arbeiten Fachleute aus verschiedenen Bereichen Hand in Hand: Dozenten, Sprachmotivatoren, Kulturvermittler, Projektmitarbeiter und Wissenschaftler setzen sich gemeinsam für den Erhalt und die Förderung der sorbischen Sprache und Kultur ein. Mit Büros in Schleife / Slepo, Hoyerswerda / Wojerecy, Radibor / Radwor, Preititz / Přiwćicy , Uhyst (Spree) / Delni Wujězd und Bautzen / Budyšin ist das Projekt breit im sorbischen Siedlungsgebiet verankert. Um die sorbische Sprache nachhaltig zu fördern, konzentriert sich das Projekt auf vier Schwerpunkte:
Sprachbildung: Die Entwicklung und Umsetzung neuer Sprachlernformate stehen im Mittelpunkt.
Das Hauptaugenmerk liegt auf Erwachsenen, die Sorbisch erlernen möchten.Sprachmotivation: Sechs Sprachmotivatoren beraten vor allem regionale Akteure, wie sie das Sorbische stärker in ihren Alltag integrieren können.
Kulturmanagement: Kulturvermittler unterstützen ehrenamtliche Gruppen und Vereine bei der Umsetzung kultureller Projekte. Sie vernetzen Akteure untereinander, bieten Beratung an und schaffen Strukturen, um das Sorbische sichtbarer zu machen.
Sprachforschung: Dieser Bereich bildet die wissenschaftliche Grundlage für die nachhaltige Wiederbelebung der sorbischen Sprache.
Auch die Förderung von Nachwuchs liegt ZARI sehr am Herzen. Durch Praktika für Schüler und Studierende wird früh das Bewusstsein für die Bedeutung der sorbischen Sprache geschärft. Dies ist enorm wichtig, denn nur so kann das Ziel von 100.000 Sorbisch Sprechenden bis 2100 erreicht werden.
Und da Sprache vom Sprechen lebt, haben wir zum Schluss ein paar passende Vokabeln für dich:
Sprache – rěč
Strukturwandel – strukturna změna
Ich lerne Sorbisch – wuknu serbsce
Sprachkurs – rěčny kurs
Kulturangebot - kulturny poskitk