Zampern – Wenn der Winter aus dem Dorf gejagt wird
Wenn es in den Dörfern der Lausitz plötzlich laut wird, Dorfbewohner mit Masken an Türen klopfen, Musik erklingt und bunt verkleidete Gestalten durch die Straßen ziehen, dann ist Zamperzeit. Das Zampern gehört zur Fastnacht wie anderswo der Rosenmontagsumzug – und ist doch viel mehr als nur närrischer Spaß.
Was ist das Zampern?
Das Zampern ist ein alter Brauch und der Auftakt der Fastnacht in der Lausitz. Zampergruppen ziehen verkleidet und mit Musik von Haus zu Haus, auch Heischegang genannt. Die Dorfbewohner erwarten sie bereits: Es wird getanzt, Schnaps getrunken und gelacht. Als Dank erhalten die Zamperer Eier, Speck, Geld oder Hochprozentiges – Zutaten für das gemeinsame Zampernessen, das oft noch am selben Tag oder am folgenden Wochenende stattfindet.
Der Dank an die Zamperer für ihre Performance (Bild: Peter Becker)
Die Fastnachtszeit in der Lausitz ist besonders lang: Sie erstreckt sich vom Dreikönigstag am 6. Januar bis zum Aschermittwoch, der die österliche Fastenzeit einläutet. Besonders tief verwurzelt ist das Zampern in der Mittel- und Niederlausitz. In der Oberlausitz / Hornja Łužica wird es vor allem in den Regionen Weißwasser / Wokrjes Běła Woda und Hoyerswerda / Wojerecy zelebriert.
Ein Brauch mit langer Tradition
Das Zampern ist ein Brauch mit vorchristlichen Ursprüngen. Er geht zurück auf alte Glaubensformen, Fruchtbarkeitszauber und Rituale zur Vertreibung böser Mächte. Lärm, Maskierung und Bewegung sollten die dunklen Kräfte des Winters vertreiben und den Frühling herbeirufen.
Ähnliche Bräuche waren einst in ganz Europa verbreitet. In der Lausitz jedoch haben sie sich besonders lebendig erhalten – nicht zuletzt durch die Sorben, die die Rituale über Generationen weitergegeben haben.
Spannend ist, dass das Wissen um das Zampern nie in Büchern niedergeschrieben wurde, sondern durch Mitmachen und Zuschauen von Generation zu Generation überliefert wurde.
Masken, Figuren und ihre Bedeutungen
Zentral für das Zampern sind die Masken und Figuren. Sie sind keine bloßen Verkleidungen, sondern besitzen eine klare Symbolik . Traditionell gehört dazu der Bär als Sinnbild des Winters, der Dunkelheit und der Kälte. Der Schimmelreiter ist im Gegensatz dazu das Symbol des Frühlings und des Neubeginns. Ebenfalls von großer Bedeutung ist der Storch als Zeichen für Fruchtbarkeit und neues Leben. Die „doppelte Person“ versinnbildlicht Leben und Tod in einer Gestalt und steht damit für die Übergänge und Veränderungen, die jeden Lebensweg kennzeichnen.
Bildergalerie (Bilder: Peter Becker)
In einigen Regionen kam es früher sogar zum symbolischen Kampf zwischen Schimmelreiter und Bär auf dem Dorfplatz. Der Ausgang war klar: Der Frühling siegt über den Winter und leitet eine Zeit des Neubeginns ein.
Heute sind die Kostüme oft freier und moderner. Fantasiefiguren, aktuelle Bezüge und neue Ideen haben Einzug gehalten – doch der symbolische Kern des Brauchs bleibt erhalten.
Bildergalerie (Bilder: Peter Becker)
Warum es beim Zampern laut sein muss
Rasseln, Trompeten, Blasinstrumente, Teufelsgeigen – das Zampern ist laut. Der Zweck? Der Lärm soll böse Geister vertreiben, den Winter verscheuchen und den Frühling wecken. Zur Musik wird ausgelassen getanzt – ebenfalls ein Zeichen des Neubeginns.
Das Zampern lebt vom Miteinander. Die Zamperer bitten um Gaben und geben im Gegenzug Musik, Tanz und Unterhaltung. Am Ende steht das gemeinsame Essen: Eier, Speck und Getränke werden „verprasst“, oft in der Dorfgaststätte oder bei Dorfbewohnern zu Hause.
Vom Zampern zum Zapust
Meist eine Woche nach dem Zampern folgt der Zapustumzug als Höhepunkt der Fastnacht, der vor allem in der Niederlausitz / Delnja Łužica gefeiert wird. Festlich gekleidete Paare ziehen durch das Dorf mit Musik, Gesang und reich geschmückten Besen, mit denen sie die den letzten Rest des Winters fortfegen.
Während das Zampern früher vor allem Sache der Dorfjugend war, sind heute alle Generationen beteiligt und sorgen mit viel Freude und Lärm dafür, dass der Brauch lebendig bleibt.
5 ober- und niedersorbische Vokabeln passend zur fünften Jahreszeit
Fasching – póstnicy - fašing
Kostüm – kostim - kostim
Masken – maski - larby
tanzen – rejować - rejowanje
Faschingsumzug – póstniski ćah - fašingowy pśeśěg
Reihenfolge der Übersetzung: Deutsch - Obersorbisch - Niedersorbisch
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12. & 13.02.
Weiberfasching Cunewalde / Kumwałd
14.02.
Weiberfasching Wittichenau / Kulow
Faschingsfinale Cunewalde / Kumwałd
69. Großer Karnevalsumzug Bad Muskau / Mužakow
Diskofasching in der Körsehalle Körschau / Korzym
Nachtwäscheball Seifhennersdorf / Wodowe Hendrichecy
15.02.
Schirgiswalder Faschingsumzug
69. Karnevalsumzug in Straupitz / Tšupc
Jugendfastnacht Drachenhausen / Hochoza
16.02.
Rosenmontagsumzug Wittichenau / Kulow
Rosenmontags Rummelrausch Körsehalle Kirschau
Kinderfasching Bad Muskau / Mužakow
Rosenmontagsball Bad Muskau / Mužakow
17.02.
Faschingsdienstagsball Schirgiswalde / Šěrachow
Saisonabschlussparty Festzelt Seifhennersdorf / Wodowe Hendrichecy
07.03.
25. Oberlausitzer Gardetanzshow
Viele weitere Fastnachtsbräuche finden auch in der Niederlausitz statt. Schau dazu gern auf sorbischerleben.de, dem Kanal der Stiftung für das Sorbische Volk, vorbei.