Kindergartenkinder spielen im Außengelände mit kleinen Laufrädern und anderem Spielzeug

Witaj-Kindergarten „Milenka" feierte Neueröffnung in Rohne/ Rowno

Seit Juli ist es soweit: Die Witaj-Kindertagesstätte „Milenka" in Rohne/Rowno hat ihre Türen am neuen Standort geöffnet. Was als Notwendigkeit wegen des nahenden Tagebaus begann, wurde zu einem Vorzeigeprojekt für moderne sorbische Sprachförderung. 

Barrierefreie Kita bietet seit Juli sorbische Sprachförderung im Dorfzentrum

Die Witaj-Kindertagesstätte „Milenka“ Rohne/Rowno in Trägerschaft der Gemeinde Schleife/Slepo startete am 7. Juli am neuen Standort mitten im Ort. „Der Ersatz-Neubau ist ein klares Signal für die Zukunft unserer Gemeinde. Ein klares Signal für die Kinder, für die Eltern und für das Personal“, unterstrich Bürgermeister Jörg Funda Dienstag zum Tag der offenen Tür. „Wir stehen fest zum Witaj-Konzept.“ Dabei erwerben die Kinder Sorbisch spielerisch, ungezwungen und ohne Anstrengung im Alltag. Viele Familien und Interessierte kamen zum Tag der offenen Tür. Die Gesamtkosten für den Neubau lagen bei 3,35 Millionen Euro. Davon trägt das sächsische Kultusministerium 2,868 Millionen Euro. Der Rest fließt über Förder- und Drittmittel.

Helle Räume, bunte Träume – die neue Kita im Detail

Barrierefrei, mit hellen Räumen und großem Außengelände ist die neue Kita angelegt. Die Kapazität liegt bei 50 Plätzen. „Wir ziehen mit 41 Kindern ein. Der Umzug ist in vollem Gange. Dabei unterstützen uns der Bauhof der Gemeinde Schleife, Eltern und sogar Schüler der Oberschule aus der 8. Klasse innerhalb der Aktion ´genial sozial´“, schilderte Dorit Stettnisch, seit 2019 Leiterin der Kita „Milenka“, dankbar.

„In der Krippe sind es heute 14 Kinder und im Kindergarten 27 Kinder.“ Aus Rohne/Rowno, Schleife/Slepo, Trebendorf/Trjebin, Mulkwitz/Mułkecy, Neu-Mühlrose/Nowe Miłoraz und Weißwasser/Běła Woda kommen die Kinder. Ihre Gruppen heißen „Lutki“ (Krippe), „Błudnički“ (Kindergarten) und „Wódne mužiki“ (Vorschulgruppe). Die neue Kita liegt unweit vom Feuerwehr-Depot und vom Njepila-Hof Rohne/Rowno entfernt. „Wir ziehen mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge ein“, meinte die Leiterin. „Wir freuen uns auf das Neue – auf neue Möbel, neue Räume, neues Spielzeug und den neuen Spielplatz. Wir vermissen jedoch den großen Sportplatz an der früheren Kita, die Schatten spendenden Linden, die Mehrzweckhalle gleich nebenan.“

Klettern, buddeln, balancieren - der neue Spielplatz ist ein Herzstück der neuen Kita in Rohne/ Rowno.

Kindgerecht Sorbisch lernen: Das Witaj-Konzept in der Praxis

Spielerisch erwerben die Kinder im Alltag Sorbisch. Muttersprachlerin Melinda Cyžec, gebürtig in Crostwitz/Chrósćicy und heute in Döbern/ Derbno zu Hause, betreut die Vorschulgruppe. Dort geht sie auf jeden Einzelnen liebevoll ein. Der Spracherwerb beginnt mit Begriffen und mit Redewendungen. Behutsam integriert sie Neuankömmlinge. Mit den Kindern lernt sie Lieder wie „Takle wjerćimy“. Zu runden Geburtstagen besucht die Kita im Dorf die Senioren. Dann erklingt das Geburtstagslied „Narodniny swjećimy wjele zboža přejemy. Wšitcy dźensa přišli su na tón słódku hosćinu.“ Immer wieder lernen die Kinder Reime. Dazu gehört etwa „I A U. Začiń stwu. Njepraj nikomu, hdźe ja du. Do šle du. Što tam chcu. Pisać, čitać nawuknu.“.

Zum sorbischen Alltag in der Kita zählen ebenfalls die Tischsprüche. Einer davon ist „Mjelčo prošu ruce smy sej wumyli a te blido nakryli. Dajće sebi słodźeć.“

Ehemalige Kita-Kinder unterrichten heute die nächste Generation

Mit gutem Beispiel gehen die Erzieherinnen beim Sorbisch-Lernen voran. Maria Pötschke aus Halbendorf/Brězowka durchlief selbst als Kind das Witaj-Projekt im Kindergarten „Milenka“ Rohne/Rowno. Später lernte sie Erzieherin. Vor allem der Sorbische Schulverein bestärkte sie darin. Praxis erwarb sie in Ralbitz/Ralbicy und in Cottbus/Chóśebuz. Heute gibt sie in der Kita „Milenka“ Rohne/Rowno als Erzieherin die Sprache weiter. Leiterin Dorit Stettnisch und Kollegin Dana Kavelmann verfügen über Sorbisch-Abschluss A 2. Sie streben jetzt Abschluss B 1 an. Ihre Kolleginnen Anna-Lena Gahner und Lea Reinwaldt wollen Abschluss A 1 schaffen.

Im Jahreskreis pflegt die Kita die Bräuche und Traditionen. Das reicht von der Vogelhochzeit und dem Zampern bis zum Christkind „Bože Dźěćetko“. Immer wieder arbeitet die Kita „Milenka“ Rohne/Rowno mit dem Hort „Błudnički“ des Deutsch-Sorbischen Schulzentrums Schleife/Slepo zusammen. „Frühzeitig erkundigen sich Kinder und Eltern bei uns im Hort nach den Inhalten“, schildern Hort-Leiterin Kristin Becker und ihre Stellvertreterin Nicole Möbus. „Kinder, die vom Rohner Kindergarten später zu uns in den Hort kommen, bringen gutes Sprachniveau mit. Wir Hort-Erzieherinnen lernen von den Kindern Tänze wie ´Takle wjerćimy.´ Wir freuen uns auf weitere gute Zusammenarbeit mit der Kita Milenka.“

Ballspaß unter freiem Himmel: Der neue Bolzplatz lädt Kinder zum ausgelassenen Kicken und Toben ein.

Staunend sahen die beiden Erzieherinnen beim Tag der offenen Tür über das Gelände der neu gebauten Rohner Tagesstätte. Die Gruppenräume gehen praktisch und unkompliziert ineinander über. Alle Zimmer sind ebenerdig und barrierefrei zu erreichen. Zu jedem Gruppenbereich gehört ein Lagerraum für Bastelsachen und weitere Materialien. Draußen zum Außengelände gehören ein großer Spielplatz, ein Kletterbereich, eine Spiel-Rundbahn und ein kleiner Bolzplatz zum Fußball-Spielen. Es gibt sogar eine Außentoilette. „Gelungen finde ich die Vielfalt an Bereichen. Ebenso die Vielfalt an Bodenstrukturen – das reicht von Wiese, Sand, Mulch bis zum Bodenbelag“, meinte Nicole Möbus.

Freude und Staunen zauberte am Tag der offenen Tür in die Gesichter der Kinder und Eltern. Zu den ersten Besuchern vor Ort gehörten Felix Lange mit den beiden Kindergarten-Kindern Leah (5) (re.) nd Leni (4) (li.).

"Wer Sorbisch lernt, lernt andere Sprachen leichter"

Mit Staunen zogen zudem die Familien durch das Haus. Elina und René Jeschke kamen mit Tochter Amilia (3) aus Mulkwitz. „Wer Sorbisch lernt, lernt andere Sprachen leichter“, meinte die junge Mutti, die als Kind selbst in der Rohner Kita durch das Witaj-Projekt Sorbisch erwarb. Heute besucht Tochter Amilia die Kita. Derzeit gehört sie zur Gruppe „Błudnički“. Laura und Felix Lampe leben in Neu-Mühlrose. Ihre Tochter Leni besucht die Kita „Milenka“ Rohne/Rowno. Sie freut sich auf die neuen Spielgeräte und den Spielplatz. Dort sticht die Kutsche als Gerät zum Spielen und Verweilen heraus. „Wir wollen Sorbisch in den Alltag immer wieder gezielt einbinden“, meinte Muttersprachlerin und Erzieherin Melinda Cyžec. Dabei hofft sie auf weitere Unterstützung durch den Träger Gemeinde Schleife/Slepo, auf viel Kreativität der Erzieherinnen und vor allem auf die Offenheit der Eltern.

Hell, freundlich und zukunftsweisend: Das neue Gebäude strahlt, was drinnen gelebt wird. Ein Ort voller Sprache, Spiel und Gemeinschaft.

Aus der Not wird ein Vorzeigeprojekt

Notwendig wurde der Ersatz-Neubau, weil die bisherige Kita nur unweit der künftigen Abbau-Kante des vorbeiziehenden Tagebaus Nochten/Wochozy liegt. Im Juli 2020 fasste der Gemeinde Schleife/Slepo deshalb den Grundsatz-Beschluss für den Neubau. Zwischenzeitlich gab es viele Konsultationen. Vom Sächsischen Ministerium für Kultus kam grünes Licht. Es sicherte die Finanzierung ab und übernahm den Eigenanteil der Gemeinde Schleife/Slepo. Von 2023 bis 2025 dauerte jetzt der Ersatz-Neubau. Für die Revitalisierung der sorbischen Sprache im Kirchspiel Schleife/Slepo ist die Kita „Milenka“ elementar und unverzichtbar. Die bisherige Kita dient künftig als Vereinshaus. Dort sollen der Jugendklub Rohne/Rowno, der Dorfklub Rohne e.V., der Ortschaftsrat und weitere Nutzer heimisch werden.

Du willst dich im pädagogischen Kontext auf Sorbisch ausdrücken? 
Bitte sehr – wir haben einige Begriffe für dich:

Kindertagesstätte -  dźěćace dnjowe přebywanišćo
Klettergerüst -  krosnowadło
Spielzeug - hrajki
Erzieherin - kubłarka
Zweisprachigkeit -  dwurěčnosć


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