Tag des offenen Denkmals 2026 in der Lausitz / Łužica / Łužyca
Am 13. September 2026 bietet der Tag des offenen Denkmals die einzigartige Möglichkeit, Denkmäler und Museen zu besichtigen, die sonst oft verschlossen bleiben. Besonders spannend wird es im sorbischen Siedlungsgebiet: in der Oberlausitz / Hornja Łužica / Górna Łužyca und der Niederlausitz / Delnja Łužica / Dolna Łužyca, wo Tradition und Geschichte eng miteinander verwoben sind. Welche Denkmäler an diesem Tag ihre Tore öffnen, erfahren Sie in diesem Artikel.
Tag des offenen Denkmals 2026: Geschichte erleben in der Lausitz / Łužica / Łužyca
„NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“: Unter diesem Motto öffnen am 13. September 2026 anlässlich des Tag des offenen Denkmals wieder tausende historische Orte ihre Türen. Die bundesweite Eröffnung findet 2026 in Bamberg statt. Im Mittelpunkt stehen in diesem Jahr Bewegung, Austausch und Verbindungen: Brücken, Kraftwerke, Schulen oder Krankenhäuser stellen seit Jahrhunderten Kontakt zwischen Menschen her. Denkmale sind damit weit mehr als schöne Fassaden, sie sind Orte, an denen Gesellschaft entsteht. Der Tag macht sichtbar, was sonst oft übersehen wird: die Geschichten, Traditionen und Handwerkskünste, die in diesen Denkmälern stecken.
Sorbische Denkmäler und Museen in der Oberlausitz / Hornja Łužica
Auch in der Oberlausitz / Hornja Łužica können Sie am Tag des offenen Denkmals im sorbischen Siedlungsgebiet einiges erleben. Wir haben Ihnen eine Auswahl zusammengestellt, welche Orte Sie besichtigen können:
Sorbisches Museum / Serbski Muzej in Bautzen / Budyšin
Bild: Links vorne ist eine sorbisch-katholische Brautjungfer zu sehen © Sorbisches Museum
Das sorbische Museum in Bautzen / Budyšin lädt am Tag des offenen Denkmals dazu ein, die sorbische Geschichte und Kultur näher kennenzulernen. Eintritt und alle Angebote sind an diesem Tag kostenfrei. Sie können die Dauerausstellung auf eigene Faust erkunden, ein Rundgang durch die Kulturgeschichte der Sorben vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Zusätzlich werden an diesem Tag zwei kostenlose Führungen durch die Sonderausstellung „Sammeln. Bewahren. Begeistern” von Museologin Andrea Paulik angeboten: um 15 Uhr auf Sorbisch und um 16 Uhr auf Deutsch.
Zum Denkmal wird dabei auch das Gebäude selbst. 1782 wurde es als Salzniederlage errichtet, 1869 zum Schwurgericht umgebaut, seit den 1970er Jahren ist das Sorbische Museum hier zu Hause. In den 1980er Jahren folgte eine umfassende Sanierung. Im ehemaligen Verhandlungssaal des Schwurgerichts sind bis heute klassizistische Wandbemalungen erhalten. Mehrere Bereiche der Dauerausstellung erzählen diese Geschichte, und Sie können selbst auf Spurensuche gehen.
Adresse: Ortenburg 3, 02625 Bautzen / Budyšin
Öffnungszeit: 10:00 bis 18:00 Uhr
Die Schwesternhäuser Kleinwelka in Kleinwelka / Mały Wjelkow
Die Schwesternhäuser Kleinwelka / Mały Wjelkow waren im 18. Jahrhundert Wohnstätte, Arbeits- und Ausbildungsort ihrer Bewohnerinnen. Sie boten darüber hinaus Raum für das geistliche Leben der gesamten Evangelischen Brüdergemeine Kleinwelka / Mały Wjelkow. Von Anfang an waren die Schwesternhäuser auch Begegnungsort für Frauen unterschiedlicher sozialer und ethnischer Herkunft, wurden aber zunächst vor allem von sorbischen Frauen bewohnt, auf- und ausgebaut.
Bild: © LWR, Schwesternhaus Kleinwelka e.V.
Am 13. September 2026 sind die Schwesternhäuser von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Es gibt mehrere Führungen: Um 11, 12, 13 und 15 Uhr auf Deutsch, um 14 Uhr auf Sorbisch. Dazu laden Gespräche, ein Imbiss und der Garten zum Bleiben ein.
Adresse: Zinzendorfplatz 6-7, 02625 Bautzen / Budyšin
Öffnungszeit: 11:00 bis 16:00 Uhr
Haus der Sorben in Bautzen / Budyšin
Bild: Das Haus der Sorben (Serbski dom), Sitz der Domowina, der Stiftung für das sorbische Volk und weiterer Institutionen auf dem Postplatz in Bautzen / Budyšin. © Julian Nyča
Anlässlich des 70. Jubiläums des Hauses der Sorben gibt es dieses Jahr am Tag des offenen Denkmals ein buntes Programm zu erleben. Gegründet wurde das Haus 1947 aus Spenden, 1956 folgt dann die feierliche Einweihung zum zweiten Sorbentreffen. Seither sind hier zahlreiche sorbische Institutionen beheimatet, die sich am Tag des offenen Denkmals mit ihrer Arbeit vorstellen, mit Angeboten besonders für Kinder und Familien. Die sorbische Kindertanzgruppe „Łužičanka“ tritt auf, außerdem wird das Ankleiden einer sorbischen Tracht gezeigt. Zwei Ausstellungen widmen sich den sorbischen Trachten in der Lausitz / Łužica und der Geschichte des Hauses. Dazu laufen Filmvorführungen: Um 11 und 14 Uhr auf Sorbisch, um 12 und 13 Uhr auf Deutsch.
Adresse: Postplatz 2, 02625 Bautzen / Budyšin
Öffnungszeit: Ab 10:00 Uhr
Weitere Denkmäler und Museen in der Oberlausitz / Hornja Łužica
Gedenkstätte Bautzen in Bautzen / Budyšin
Die heutige Gedenkstätte Bautzen befindet sich im ehemaligen Bautzen II, das 1906 als Landgericht mit Untersuchungshaftanstalt eröffnet wurde. Von 1933 bis 1989 wurde das Gebäude während des nationalsozialistischen Regimes, der sowjetischen Besatzung und der SED-Diktatur als Haftanstalt für politische Gegner genutzt.
Am Tag des offenen Denkmals führen 30 Menschen, die hier selbst inhaftiert waren durch die Gedenkstätte Bautzen / Budyšin. Frauen und Männer, Regimegegner, Fluchthelfer und Spione berichten von politischer Verfolgung, von der Inhaftierung und vom Alltag in Haft, und sie kommen gern mit Ihnen ins Gespräch. Um 11 und um 14 Uhr sprechen im Hauptzellentrakt Jochen Stern, Theodor Renkwitz und Karl-Heinz Göpke über ihre Verhaftung, Verurteilung und ihre Haftzeit. Sie wurden zwischen 1948 und 1956 von sowjetischen Militärtribunalen verurteilt und kennen das als „Gelbes Elend“ berüchtigte Bautzen I aus eigener Erfahrung. Zwei Restauratoren lassen sich den ganzen Tag über bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen.
Bild: Zeitzeuge Gehard Vahldiek in der Gedenkstätte Bautzen © Stiftung Sächsische Gedenkstätten / Gedenkstätte Bautzen
Adresse: Weigangstraße 8a, 02625 Bautzen / Budyšin
Öffnungszeit: 10:00 – 17:00 Uhr
Färberhenke in Pulsnitz / Połčnica
Am Tag des offenen Denkmals können Sie in Pulsnitz / Połčnica Einblick in die komplexe Arbeit der Schwarz- und Buntfärber gewinnen. Die Färberhenke ist ein Komplex aus drei Gebäuden auf mittelalterlichen Ursprungsbauten: Der „Hänge“ vom Beginn des 19. Jahrhunderts, dem 1789 umgebauten Wohnhaus und dem um 1822 veränderten Brunnenhaus. In der „Hänge“ hängten Bunt- und Schwarzfärber ihre Stoffbahnen über mehrere Geschosse zum Trocknen auf. Zusammen mit den erhaltenen Färbertrögen bildet das Gebäude den Arbeitsprozess bis heute ab.
Bild: Das Denkmal Färberhenke in Pulsnitz / Połčnica © Dr. Matthias Mägel
Am 13. September 2026 ist die Färberhenke von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Pulsnitzer Heimatverein bietet individuelle Führungen, eine Ausstellung und einen Imbiss an. Ab 10 Uhr lädt Andreas Frister unter dem Titel „Wir malen unsere Heimat“ zum Malen und Zeichnen ein, auch für Kinder geeignet, Zeichenmaterial bitte mitbringen und vorher anmelden. Ab 14 Uhr zeigt der Verein Pulsnitzer Pfeilhagel Bogenschießen zum Mitmachen.
Adresse: Polzenberg 10, 01896 Pulsnitz / Połčnica
Öffnungszeit: 10:00 – 16:00 Uhr
Denkmäler und Museen in der Niederlausitz / Delnja Łužica / Dolna Łužyca
Archäotechnisches Zentrum in Welzow / Wjelcej
Das Archäotechnische Zentrum in Welzow / Wjelcej sitzt in einem ungewöhnlichen Gebäude: Ursprünglich war es die Werksfeuerwehr einer Brikettfabrik der Eintracht AG, und es steht direkt an der Kante einer ehemaligen Braunkohletagebaufläche. Im Außengelände kann man die wiederaufgebaute Vergangenheit von Klein Görigk entdecken, mittelalterliche Rekonstruktionen nach Originalfunden. Im Kräuter- und Epochengarten wachsen Nutzpflanzen von der Steinzeit bis in die Neuzeit, im angrenzenden Clara-See werden archäologische Hölzer eingelagert. Am 13. September 2026 ist das Zentrum von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Unter dem Titel „Wimpernschläge der Geschichte“ vernetzt sich der Verein mit anderen Welzower Vereinen und geht gemeinsam der Stadtgeschichte nach.
Bild: Kräuter- und Epochengarten mit Nutzpflanzen von der Stein- bis zur Neuzeit im Archäotechnischem Zentrum in Welzow / Wjelcej ©atz/Messenbrink
Adresse: Fabrikstraße 2, 03119 Welzow / Wjelcej
Öffnungszeit: 11:00 – 17:00 Uhr
Kirche Heinersbrück in Heinersbrück / Móst
Bild: Kirche Heinersbrück / Móst - der Evangelischen Kirchengemeinde Jänschwalde / Janšojce © Tim Schmidt
Die Dorfkirche in Heinersbrück / Móst gehört zu den markantesten Sakralbauten der Niederlausitz / Delnja Łužica / Dolna Łužyca. Der neugotische Backsteinbau entstand 1900/1901 nach Plänen des Cottbuser Stadtbaurats Robert Beutler und ersetzte eine baufällige Fachwerkkirche. Prägend sind der hohe Westturm und die für Brandenburg seltene zweischiffige Hallenkirche mit schlanken Granitsäulen und Kreuzrippengewölben. Eine im zweiten Weltkrieg geplante Sprengung des Turms blieb aus, die Orgel überstand die Zeit dagegen nicht. Seit 1999 steht ein Instrument von 1939 in der Kirche, ein Geschenk aus Berliner Privatbesitz. Als Kirche im sorbisch-wendischen Siedlungsgebiet verbindet sie Baugeschichte und lebendige Gemeindearbeit.
Am 13. September 2026 steht die Kirche von 13 bis 18 Uhr zur freien Erkundung offen. Vor Ort ist immer jemand ansprechbar, in regelmäßigen Abständen gibt es kleine Meditationen. Ab 17 Uhr lädt eine musikalische Andacht zum Abschluss ein.
Adresse: Hauptstr. 6a, 03185 Heinersbrück / Móst
Öffnungszeit: 13:00 – 18:00 Uhr
5 sorbische Vokabeln passend zum Tag des offenen Denkmals
Museum - muzej - muzeum
Eintritt - zastup - zastup
Kapelle – kapałka - cerkwicka
Rundgang - wobchodźenje - wobchójźenje
Denkmal – pomnik – pomnik
Beitragsbild: Wendisches Haus (links) am Lauengraben, 1915 © Brück & Sohn Kunstverlag Meißen