Ich bin jetzt mal Kater : Božena Bjarsch und die Magie von Tanz und Sprache

Im Ballettsaal des Sorbischen Nationalensembles in Bautzen/Budyšin probt Božena Bjarsch für ihre Rolle als Kater im Ballettmärchen „Der kleine Pfannkuchen”/„Mały pampuch“. Ein Blick hinter die Kulissen einer Produktion, in der Sprache und Tanz verschmelzen.

Hinter den Kulissen des Sorbischen Nationalensembles Bautzen

Schritte gleiten rhythmisch über den Boden, Gesang und Gesprochenes vermischen sich. Im Ballettsaal des Sorbischen Nationalensembles in Bautzen/Budyšin herrscht geschäftiges Treiben. „Sieben, Acht …” zählt jemand leise die Takte. Die Musik setzt wieder ein. Körper wirbeln durch den Raum - zehn Tänzerinnen und Tänzer, die sich durch eine Szene aus dem Ballettmärchen „Der kleine Pfannkuchen”/„Mały pampuch“ bewegen. 

Tänzerinnen und Tänzer des sorbischen Nationalensembles proben voller Energie das Ballettmärchen „Der Kleine Pfannkuchen”/„Mały pampuch“.

Mittendrin: Božena Bjarsch - in schwarzweißem Fell, mit flauschigen Ohren, die noch gar nicht da sind, aber in ihrer Vorstellung schon längst fest auf ihrem Kopf sitzen. Sie ist der Kater des Chefkochs - eine Figur, die überall ist und sich durch das Stück singt, tanzt und spricht. Božena wechselt zwischen Sorbisch und Deutsch, als wäre es das Natürlichste der Welt. Und das ist es auch.

Zu Beginn der Probe wirkt es wie geordnetes Chaos: Jeder singt vor sich hin, tanzt, wärmt sich auf. Aber alle wissen genau, was zu tun ist. In einer Ecke stehen die Requisiten: Holzlöffel mit langen Stielen, Cajons, Schüsseln, Besen. Später sind sie Teil der Choreografie. 

Choreograf Juraj Šiška (links), beobachtet Božena Bjarsch (rechts) und Ensemble aufmerksam: Jeder Schritt, jede Geste wird präzise abgestimmt, um Bewegung und Ausdruck in Einklang zu bringen.

Choreograf Juraj Šiška läuft von Tänzerin zu Tänzer, formt mit den Händen die richtige Bewegung vor. „Noch einmal!” Nach einer anstrengenden Szene sinken alle vermeintlich erschöpft zu Boden. Sekunden später richten sie sich schon wieder auf, und es geht weiter. 

Hinter dem Flügel steht Paul Bernewitz, der Korrepetitor. Er spricht sich mit Božena ab, gibt ihr Tipps zum Gesang. Sie probiert aus, improvisiert, und doch sieht es für den Beobachter schon so beeindruckend aus, so fertig. Wie sie zwischen Sorbisch und Deutsch wechselt, ist faszinierend. Die Energie im Raum steckt an. Schon nach den ersten Minuten spürt man Gänsehaut. Man taucht ein in eine andere Realität, in die Welt des kleinen Pfannkuchens, der auf seiner Reise durch die Jahreszeiten allerlei Gestalten begegnet, und einem schwarzen Kater mit weißer Pfote. 

Božena beobachtet ihre eigene Katze zu Hause, um Inspiration für die Rolle zu finden. „Dieses Fließende”, sagt sie, „das macht wahnsinnig Spaß. Die Kindheit wieder rauszuholen und zu sagen: ‚Ich bin jetzt mal Kater‘.” Ihr Auftritt beginnt im Publikum - sie klettert auf die Bühne, begrüßt die Kinder. Der Kater des Chefkochs ist eine Figur, die sich entwickelt und mit jeder Probe wächst.

In einer kurzen Pause erzählt Božena, wie sie zum Schauspiel gefunden hat und warum ihre sorbische Herkunft immer eine zentrale Rolle spielt. 

Ein Stück nach Hause kommen 

„Ich bin eine sorbisch-deutsche Schauspielerin”, stellt sich Božena Bjarsch vor. Für sie ist es ein Privileg, Sorbisch auf der Bühne oder vor der Kamera zu sprechen. Durch das Stück „Zwischen den Welten” lernte sie auch Niedersorbisch. Es war ihre erste Produktion am Sorbischen Nationalensemble. Auch ihre Großeltern arbeiteten schon am Sorbischen Nationalensemble: Ihr Opa war Tänzer, einer der ersten, als das Ensemble 1952 gegründet wurde. Ihre Oma war Sängerin, Solistin. Am Sorbischen Nationalensemble lernten sich beide kennen. „Ich weiß noch genau, wie es im Ensemble gerochen hat, als ich Kind war und dort immer herumgelaufen bin", erzählt Božena. Heute dort zu arbeiten, fühle sich an wie nach Hause zu kommen. 

Zwischen alten Mauern und Gassen: die Umgebung des Sorbischen Nationalensembles – mitten in Bautzen/Budyšin.

Zurück im Ballettsaal; die Probe geht weiter. Der kleine Pfannkuchen macht sich auf seine Reise. Božena Bjarsch, der Kater mit den Flauschohren, begleitet ihn durch Jahreszeiten, Welten, Sprachen. Mit der Gewissheit, dass Heimat nicht nur ein Ort ist, sondern auch eine Sprache. 

„Der kleine Pfannkuchen" hat am 23. November 2025 Premiere am Sorbischen Nationalensemble in Bautzen/Budyšin (zunächst in deutscher Sprache). Erste sorbischsprachige Vorstellung ist am 6. Dezember 2025 in Crostwitz/Chrósćicy in der Mehrzweckhalle „Jednota”. Karten für das Stück gibt es hier. 

Fünf obersorbische Vokabeln passend zum Stück „Der kleine Pfannkuchen”/„Mały pampuch“ 

Ballett - balet 

Märchen - bajka 

Kater - kocor 

Pfannkuchen - pampuch 

Koch - kuchar 


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