Herbstspaziergänge in der Oberlausitz: 6 Wanderrouten mit sorbischer Geschichte

Goldene Kiefernwälder, Nebel über den Teichen und ein Dornröschen in einer Turmruine: Wir haben sechs Wanderrouten durch die Oberlausitz / Hornja Łužica zusammengestellt - mit Sagen, Gedichten, Bienenkunde und Geschichten, die Sie unterwegs per QR-Code direkt aufs Ohr bekommen.

Herbstspaziergänge in der Oberlausitz / Hornja Łužica: 6 Wanderrouten mit sorbischer Geschichte

Die Frühlingsspaziergänge sind in Sachsen längst bekannt: Mehr als 300 Touren stehen jedes Jahr im Programm, organisiert von Vereinen, Umweltbildungseinrichtungen, Kommunen und Privatpersonen. Aber auch der Herbst lädt zum Loslaufen ein: Die Kiefernwälder riechen nach Harz, über den Teichen steht morgens Nebel, und wenn das Licht tief durch die Bäume fällt, wird die Oberlausitz / Hornja Łužica golden.

Wir haben sechs Touren zusammengestellt, die eines gemeinsam haben: Sie führen mitten durch das sorbische Siedlungsgebiet – und an vielen Stationen können Sie sich die Geschichten unterwegs anhören, oft auch auf Obersorbisch. Also: Smartphone einstecken, Proviant nicht vergessen und los geht's.

1. Prinzenpfad Lauske / princowska šćežka Łusk

Bilder: Turmruine, Hörstationen und Spielplatz entlang des Prinzenpfads Lauske / Łusk ©️ OHTL e.V.

Kurz, familienfreundlich und ein bisschen märchenhaft: Auf 2,4 Kilometern führt der Prinzenpfad als Rundweg durch die Lausker Schanze. Acht Stationen sind mit Schildern markiert, hinter deren QR-Codes Erzählungen auf Deutsch und Sorbisch warten. Angelegt ist der Weg als digitale Schnitzeljagd: Wer ihn läuft, wird zum Prinzen und hat eine Aufgabe: das Dornröschen in der Turmruine finden und wecken. Dafür müssen alle Stationen durchlaufen werden. Der Weg führt nach Süden in die Lausker Skala, umrundet die Zschornaer Schanze und lädt am Schanzenteich zur Rast, bevor es über die Lausker Schanze zurück nach Lauske / Łusk geht.

Start: Lauske am Spiel- und Rastplatz, ca. Lauske Nr. 50, 02627 Weißenberg / Wóspork, OT Lauske / Łusk, kostenfreie Parkmöglichkeiten an der Straße am Startpunkt

Länge: 2,4 km

2. Auf den Spuren des seligen Alojs Andritzki Radibor / na slědach zbóžneho Alojsa Andrickeho po Radworju

Bilder: Auf den Spuren des seligen Alojs Andritzki ©️ OHTL e.V., CC BY-SA, Das Landschaftswunderland Oberlausitz

Auf nur 1,3 Kilometern führt der Themenweg durch den Geburtsort des Seligen Alojs Andritzki (2. Juli 1914 – 3. Februar 1943), vorbei an den Orten, die sein Leben geprägt haben: der alten Pfarrkirche, seinem Geburtshaus am heutigen Gemeindeamt, der Pfarrkirche Maria-Rosenkranzkönigin mit ihrer Dauerausstellung, der Pfarrei, der Kreuzkirche mit Friedhof und schließlich dem sorbisch-katholischen Kinderhaus, das seinen Namen trägt und auf das er in der pädagogischen Gestaltung Einfluss genommen hat. Lassen Sie sich überraschen, was die Kinder hier zu erzählen haben.

Start: Alte Pfarrkirche, Radibor / Radwor; Parken am Dorfplatz oder am Besucherparkplatz Lilienstraße / Caminaer Straße

Länge: 1,3 km

3. Ćišinski-Pfad / šćežka Ćišinskeho – Panschwitz-Kuckau / Pančicy-Kukow

Bilder: Blick auf das Kloster St. Marienstern ©️ Rafael Ledschbor, CC BY-SA, Klosterverwaltung / Der Weg führt vorbei am Fluss Klosterwasser, das seinen Namen vom katholischen Kloster St. Marienstern erhielt ©️ Helena Jatzwauk , CC BY-SA, Das Landschaftswunderland Oberlausitz

Wer war eigentlich der Mann, dessen Name in der Lausitz / Łužica an so vielen Straßen und Schulen steht? Auf den 6,9 Kilometern des Ćišinski-Pfads finden Sie die Antwort. An zehn Stationen hören oder lesen Sie ein fiktives Interview mit dem sorbischen Dichter und Geistlichen Jakub Bart-Ćišinski, dazu Gedichte, historische Fotos und Tipps für Abstecher. Sie können zwischen vier Fassungen wählen: eine deutschsprachige und drei obersorbische – für Grundschulkinder, für Jugendliche und für Erwachsene.

Die Route führt von Kuckau / Kukow vorbei am Kloster St. Marienstern und durch den Lippepark Panschwitz-Kuckau / Lipjo w Pančicach-Kukowje zurück zur Schule in Panschwitz / Pančicy – und folgt damit Ćišinskis Lebensweg: 1856 in Kuckau geboren, ging er 1871 nach Prag, schloss 1881 sein Theologiestudium ab und wurde 1883 zum Priester geweiht. Im selben Jahr unterschrieb er erstmals mit dem Pseudonym Ćišinski – „der Stille“. Mehr als 800 Gedichte hat er geschrieben. 1909 starb er mit 53 Jahren in Panschwitz.

Start: Kukow / Kuckau Bushaltestelle „Rosenthaler Straße“ am Denkmal Panschwitz-Kuckau / Pančicy-Kukow, Parkplatz am Ortsrand, Richtung Bautzen: 550 m von der ersten Station und 600 m von der letzten Station entfernt.

Länge: 6,9 km

4. Schirach-Rundweg / Šěrachowy kołopuć – Kleinbautzen / Budyšink

Bilder: Starttafel und Wandergruppe auf dem Schirach-Rundweg in Kleinbautzen / Budyšink ©️ OHTL e.V., CC BY-SA, Landschaftswunderland Oberlausitz

Diese Flachlandrunde ist einem Mann gewidmet, den in der Oberlausitz / Hornja Łužica vor allem die Imkerinnen und Imker kennen: Adam Gottlob Schirach, geboren am 5. September 1724 in Nostitz / Nosaćicy, gestorben am 3. April 1773. Er war evangelischer Pfarrer in Kleinbautzen / Budyšink, dazu Literat und Naturforscher – und er übersetzte Gesangbücher und Schulliteratur ins Sorbische. Berühmt wurde er allerdings mit seinen Schriften über Bienen.

Auf 4,5 Kilometern erfahren Sie unterwegs viel über Bienen und einiges über Schirach selbst. Zwei Stopps lohnen besonders: die Kirche in Kleinbautzen / Budyšink, seine Wirkungsstätte, und der „Teufelsstein“, ein Naturdenkmal mit Infotafeln und Rastmöglichkeit an der Nussallee. Kurz danach lädt ein kleiner Rastplatz mit Weitsicht zur Pause.

Start: Kirche Kleinbautzen / Budyšink (Gemeinde Malschwitz / Malešecy), kostenfreie Parkplätze vor der Kirche

Länge: 4,5 km

5. Siebenbrückenweg / puć sydom mostow – ab Kohlwesa / Kołwaz

Bilder: ©️ OHTL e.V., Das Landschaftswunderland Oberlausitz

Der Siebenbrückenweg ist eine abwechslungsreiche Tour für alle, die einen ganzen Tag einplanen möchten. Sieben  Brücken, kleine Flüsse und der 556 Meter hohe Czorneboh machen diese Wanderung so eindrucksvoll.

Der Weg startet an der Obermühle in Kohlwesa / Kołwaz. Zunächst folgen Sie dem Kotitzer Wasser durch die Lausker Skala nach Kleinzschorna und Lauske / Łusk, dann westlich nach Rodewitz / Rodecy und am Kuppritzer Wasser entlang durch den Kuppritzer Park. Nördlich der B6 wandert es sich entspannt über flaches Land, südlich davon wird es sportlicher – bis hinauf auf den Czorneboh. Auch hier gibt es Informationsstationen mit QR-Codes zu Kultur, Natur und Geschichte, auf Deutsch und auf Sorbisch.

Zu lang? Der Weg lässt sich gut teilen. Als Nordtour kürzen Sie in Kuppritz / Koporcy über die Hauptstraße nach Kohlwesa / Kołwaz ab, als Südtour starten Sie in Neukuppritz / Nowe Koporcy und gehen nur den Czorneboh-Teil. Für eine Rundtour folgen Sie ab dem Gipfel der Markierung zurück in den Kuppritzer Park und laufen über den Feldweg nach Kohlwesa / Kołwaz – noch einmal zehn Kilometer.

Start: Obermühle Kohlwesa / Kołwaz (Gemeinde Hochkirch / Bukecy)

Länge: 20 km

Bilder: Wege rund um die Wallfahrtskirche Rosenthal / Róžant ©️ OHTL e.V., CC BY-SA, Landschaftswunderland Oberlausitz

Diese gemütliche Halbtagestour führt mitten durch das Kerngebiet der sorbischsprachigen Lausitz, wo noch viele sorbische Traditionen und Bräuche gepflegt werden. Sie laufen durch herbstliche Kiefernwälder, über Feldwege, hin zu gemütlichen Rastplätzen. Außer der Bäckerei in Rosenthal / Róžant gibt es keine Einkehrmöglichkeit – packen Sie also ein Picknick ein, im Herbst gern mit einem Körbchen für die Pilzsuche.

Los geht es an der Wallfahrtskirche in Rosenthal / Róžant, einer Marien-Wallfahrtsstätte, die bis 2007 von Zisterziensern betreut wurde und seit 2000 zum Bund „Mitteleuropäische Wallfahrtsorte“ gehört. Vorbei an der Festwiese führen rund vier Kilometer durch Kiefern- und Birkenwald. Hinter der S 97 liegt der Steinkreis bei Piskowitz / Pěskecy, wenig später der Sandteich mit Picknickplatz – ein guter Ort, um still zu sitzen und Tiere zu beobachten.

Danach kommen Sie durch Dreihäuser / Horni Hajnk, den Geburtsort des sorbischen Schriftstellers Jurij Brězan, und über Feldwege nach Zerna / Sernjany. Zurück in Rosenthal / Róžant führt der Weg vorbei an einem Spielplatz, der kleinen Bäckerei und schließlich der Marienquelle, deren Wasser eine heilende Wirkung nachgesagt wird.

Start: Wallfahrtskirche Rosenthal / Róžant, kostenfreie Parkmöglichkeiten in der Nähe

Länge: 7,7 km

5 obersorbische Vokabeln für Ihren Herbstspaziergang

Herbst – nazyma

Wandern – pućować

Biene – pčołka

Laub – lisćo

Wanderweg – pućowanska šćežka

Titelbild: Sébastien Goldberg (@sebastiengoldberg)

Alle Touren finden Sie mit Karte, Höhenprofil und GPX-Download auf outdooractive.com. Die Zuarbeit für diesen Beitrag ist zusammen mit der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft (OHTL) entstanden.


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