Die süßen Botschafter der Vogelhochzeit

Wenn am Vorabend des 25. Januar in der Lausitz / Łužica Teller auf die Fensterbank gestellt werden, hat die Zeit der Vogelhochzeit (Obersorbisch Ptači kwas) begonnen. Am nächsten Morgen schauen die Kinder gespannt nach, welche Überraschung sie am Fenster erwartet. Ein Brauch, der nicht nur den Kleinsten jedes Jahr Freude bereitet, sondern auch mit seinen süßen Leckereien ganz besondere Erinnerungen in die Herzen trägt.

Ein sorbischer Brauch zum Ende des Winters

Am Abend vor der Vogelhochzeit stellen die Kinder einen Teller vor das Fenster oder die Tür. Die Vögel – die Elster ist die Braut und der Rabe der Bräutigam bei der Vogelhochzeit – hinterlassen darauf über Nacht süßes Gebäck von ihrem „Hochzeitsmahl“ als Dank für die Fütterung in der kalten Jahreszeit.

Regionale Backkunst zur Vogelhochzeit

Ein besonderer Teil dieser Tradition sind die vielfältigen Gebäck-Spezialitäten, die in den Tagen vor dem 25. Januar in den Bäckereien der Region angeboten werden. Sie sind mehr als nur Naschereien, denn sie erzählen von Heimat, Genuss und dem nahenden Frühling.

Sroki – Die Teigvögel

Die namensgebenden Sroki (Singular: Sroka, sorbisch für Elster) gehören zu den typischen Symbolen der Vogelhochzeit. Sie werden aus süßem Teig gebacken und liebevoll mit Zuckerglasur, Mandeln und Rosinen verziert. Damit sehen die Vögel fast zu schade zum Essen aus, weil sie so schön dekoriert daherkommen.

Bildrechte: Darius Buder

Kremnester und Kremvögel

Beliebt sind außerdem süße Kremnester: ein Keksboden, darauf eine Schicht feiner Kakao- oder Vanillekrem, oft mit dunkler Schokolade überzogen und in der Mitte bunte Zuckereier. Diese köstlichen Nestlein stehen symbolisch für Frühling und Neubeginn. Die Butterkrem-Variante gibt es zudem auch in Form kleiner Vögelchen.

Bildrechte: Darius Buder

Baiserteile

Aus leichter Baisermasse gebackene Schaumvögel und -häubchen, auch Schmätzl genannt, zählen ebenfalls zu den Klassikern. Sie sind außen knusprig, innen weich und zart und damit nicht nur für kleine Naschkatzen ein Genuss.

Bildrechte: Darius Buder

Weitere Varianten

Je nach Bäckerei gibt es noch viele weitere kreative Süßwaren:

  • Pfannkuchenteig- oder Quarkteigvögel

  • Punsch- und Marzipannester

  • Als Schwäne geformtes Gebäck aus Brandteig, gefüllt mit Schlagsahne

Die Vielfalt spiegelt die lebendige Backkunst der Region wider und lädt dazu ein, auch bei jährlich wiederkehrenden Traditionen wie der Vogelhochzeit immer wieder Neues zu entdecken.

Tradition trifft Genuss – Gemeinsam feiern

Was die Vogelhochzeit so besonders macht, ist die Freude am Teilen und an der Gemeinschaft. In den Dörfern und Familien wird gesungen, gebastelt und gebacken – und am Ende genießen alle zusammen die süßen Köstlichkeiten, die auf den Tellern gelandet sind.

Viele Bäcker bieten im Januar ihr individuelles Gebäck zur Vogelhochzeit an. Halte bei dir vor Ort Ausschau nach den süßen Botschaftern.

Wenn du es selbst einmal probieren möchtest, probiere unser einfaches Rezept für typische Sroki:

Sroki – Teigvögel zum Selberbacken

Zutaten:

  • 500 g Mehl

  • 250 ml lauwarme Milch

  • 80 g Zucker

  • 80 g Butter

  • 1 Würfel frische Hefe

  • 1 Prise Salz

  • Zuckerguss, Mandeln & Rosinen zur Verzierung

Zubereitung:

  1. Vorteig ansetzen: Hefe mit etwas Zucker und lauwarmer Milch verrühren und 10 min stehen lassen.

  2. Teig herstellen: Mehl, restliche Milch, Zucker, Butter und Salz zugeben. 8–10 min zu einem geschmeidigen Hefeteig kneten.

  3. Ruhen lassen: Den Teig abgedeckt an einem warmen Ort ca. 1 Std. gehen lassen, bis er sich sichtbar vergrößert hat.

  4. Formen: Kleine Teigportionen zu Vögeln formen, mit Mandeln als Augen und Rosinen als Verzierung.

  5. Backen: Bei 180 °C (Ober-/Unterhitze) ca. 15–18 min goldbraun backen.

  6. Dekorieren: Nach dem Abkühlen mit Zuckerguss verzieren.

5 passende sorbische Vokabeln zum Thema Vogelhochzeit:

Vogelhochzeit – ptači kwas

Teigvögel – sroki

Fensterbank – woknowa deska

Gebäck – pječwo

Zuckerguss – glazura


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