Bautzen sagenhaft erleben: Der Bautzener Sagenpfad

Bautzen sagenhaft erleben: Der neue Bautzener Sagenpfad

Türme, Gassen, historische Plätze, alte Handelswege und natürlich zahlreiche Spuren sorbischer Kultur: Wer durch Bautzen / Budyšin spaziert, begegnet Geschichte fast an jeder Ecke. Mit dem neuen Bautzener Sagenpfad wird daraus ein besonderer Stadtrundgang: mit kleinen Figuren und großen Sagen, die mitten in der Altstadt hörbar werden.

Eine Tour durch Stadtgeschichte und regionale Sagenwelt

Unter dem Motto „Bautzen sagenhaft erleben“ führt der Pfad durch die historische Innenstadt. Dabei treffen Stadtgeschichte und der reiche Sagenfundus der Oberlausitz / Hornja Łužica aufeinander. An zehn Stationen warten Sagengestalten, die eng mit der Region verbunden sind: der Riese Sprejnik, Ritter Dutschmann, die Lutki, Räuberhauptmann Karasek, der Zmij und weitere Figuren aus der hiesigen Sagenwelt.

Bild: Eröffnung des Bautzener Sagenpfads im Juni 2026 (SMKT)

Vom Postplatz über Kornmarkt und Hauptmarkt, vorbei am Burgwasserturm und der Alten Wasserkunst bis hin zum Lauengraben, verbindet jede Station eine Geschichte mit einem Ort in der Innenstadt. Mal geht es um Handel und Handwerk, mal um Mut, Klugheit oder alte Geheimnisse. Das Beste: Sie können den Sagenpfad ganz eigenständig entdecken. Einfach loslaufen, QR-Code scannen und reinhören. Ob auf Deutsch oder Obersorbisch: Die Hörgeschichten sind über die SmartGuide-App oder direkt im Browser über Audoria abrufbar. Auch Braille ist integriert.

Die Sagen des Bautzener Sagenpfads

Hinter den Figuren des Bautzener Sagenpfads stehen Geschichten, die seit Generationen in der Oberlausitz / Hornja Łužica erzählt werden. Sie handeln von Riesen und kleinen Leuten, von Mut und Übermut, von geheimnisvollen Wesen, harter Arbeit und der Frage, was wir aus früheren Erzählungen bis heute mitnehmen können. Denn Sagen sind nichts anderes als Gerüchte, die sich über die Jahre auch ein Stück weit verändert haben können.

Sprejnik | Sprjewnik

Sprejnik, der Riese der Spree. Der Sage nach lebte er einst am Fuße des Oberlausitzer Berglandes und war so stark, dass er Bäume ausreißen und riesige Steine versetzen konnte. Die Menschen verehrten ihn wegen seiner Kraft und Güte – und baten ihn, zu ihrem Schutz eine Stadt zu bauen.

Sprejnik soll daraufhin zu beiden Seiten seines Tales eine Stadt erbaut haben: Budissin, das heutige Bautzen / Budyšin. So hatte er alle Bewohner im Blick und konnte sie im Zweifel mit seiner gewaltigen Kraft verteidigen. Um zu erproben, wie weit seine Pfeile wohl flögen, schoss er drei nach Süden. Dort, wo sie tief im Boden stecken blieben, begann frisches Wasser zu fließen. So entstanden der Sage nach die drei Spreequellen am Kottmar, in Neugersdorf und in Ebersbach – und der Fluss erhielt zu Ehren des Riesen seinen Namen: Spree.

Lutkis | Lutki

Die Lutki, auch Lutken oder Lutkis genannt, gehören zu den bekanntesten Wesen der sorbischen Sagenwelt. Ihr Name bedeutet so viel wie „kleine Leute“ oder „Leutchen“. Der Überlieferung nach lebten sie einst über der Erde, zogen sich aber unter die Erde zurück, als in der Lausitz / Łužica die ersten Kirchen gebaut wurden und das Glockenläuten erklang.

Beschrieben werden die Lutki meist als freundlich, fleißig und hilfsbereit. Sie sehen aus wie kleine Menschen, können sich unsichtbar machen und sprechen in manchen Geschichten auf ganz eigene, verdrehte Weise. Gerade deshalb faszinieren sie bis heute – besonders Kinder. In den Sagen erklären die Lutki oft das Rätselhafte im Alltag: geheimnisvolle Funde, unerwartete Hilfe oder kleine Spuren, die sich niemand so richtig erklären kann.

Bild: Norman Paeth

Ritter Dutschmann | Ryćer Dučman

Um ihn rankt sich eine besondere Sage: Als sorbischer Adeliger soll Ritter Dutschmann einst in einer Bautzener Schänke gesessen, gut getrunken und sich dabei zu einer waghalsigen Behauptung hinreißen lassen haben. Als geübter Reiter mit schnellem Pferd traute er sich zu, über den damals noch deutlich größeren Brunnen zu springen.

Am nächsten Tag versammelten sich die Bürgerinnen und Bürger, um den Versuch zu sehen. Mit viel Anlauf jagte der Ritter auf seinem Pferd über den Markt, sprang kraftvoll in die Luft – und verschwand. Was genau geschah, konnte niemand sagen. Reiter und Ross wurden nie wieder gesehen. Manche erzählten, er habe den Brunnen tatsächlich übersprungen und sei danach in den Tiefen der Gassen verschwunden.

In Erinnerung an seinen (Über)mut und als Symbol städtischer Selbstbestimmung errichteten die Bautzener ihm zu Ehren eine Statue auf dem Marktplatz von Bautzen / Budyšin.

Bild: Norman Paeth

Die Verwechslung der Mittagsfrau | Njeprawa Připołdnica

Wer zur heißen Mittagsstunde auf dem Feld arbeitet, den holt die Mittagsfrau! So erzählt es zumindest die Sage rund um die Mittagsfrau, die zu den bekanntesten Sagenfiguren der Oberlausitz / Hornja Łužica gehört. In weiße Kleidung gehüllt, soll sie stets eine Sichel bei sich getragen haben.

Der Sage nach erschien sie jenen, die in der größten Hitze keine Pause machten. Dann verlangte sie eine Stunde lang Geschichten über Flachs. Wer genug erzählen konnte, kam davon. Wer keine Antwort wusste, büßte sein Leben.

So unheimlich die Sage erzählt wird, ihr Kern gilt noch heute: Wer arbeitet, darf seine Grenzen nicht vergessen. Die Mittagsfrau mahnt dazu, innezuhalten, bevor die Erschöpfung zu groß wird.

Räuberhauptmann Karasek | Rubježnik Karasek

Räuberhauptmann Karasek gehört zu den schillerndsten Gestalten der Oberlausitzer Sagenwelt. Hinter dem sogenannten „Robin Hood der Oberlausitz“ steckt eine historische Figur: Johannes Karasek, 1764 in Prag geboren. Als „Böhmischer Hansel“ kam er in die Lausitz / Łužica, schloss sich einer Räuberbande an und ließ sich in Seifhennersdorf nieder.

Karasek galt als klug, redegewandt und gut gekleidet – also ganz anders, als man sich einen Räuber vielleicht vorstellt. Mit seiner Bande soll er wohlhabende Mühlenbesitzer, Garnhändler und Geldwechsler überfallen haben. Dabei hatte er eine Regel: keine Überfälle in der eigenen Gegend. Nur so, heißt es, ließ man ihn gewähren.

Dann kam der Fehler. In der Nacht vom 31. Juli auf den 1. August 1800 überfiel seine Bande ein Gut in Oberleutersdorf. Karasek wurde gefasst, nach Bautzen gebracht und zum Tode verurteilt. Später wurde die Strafe in lebenslange Haft umgewandelt. Drei Jahre saß er im Verlies der Ortenburg, bevor er nach Dresden verlegt wurde, wo er 1809 starb. 

Bild: Norman Paeth

Der Feuersegen vom Hexenhaus I Žohnowanje za chodojći dom

Die Sage vom Feuersegen erzählt von einer Zeit, in der Krieg, Hunger und Not das Leben in Bautzen / Budyšin bestimmten. Eine erschöpfte Familie erreichte nach langer Flucht die Stadtmauern. Marta, ihr kranker Mann und ihre hungrigen Kinder baten um Schutz für eine einzige Nacht – doch überall wurden sie abgewiesen.

Erst ein Fischer, der selbst kaum etwas besaß, öffnete ihnen sein Haus. Er teilte sein letztes Brot, gab ihnen Wärme und einen sicheren Schlafplatz. Nach einigen Tagen hatte die Familie genug Kraft gesammelt, um ihre Reise fortzusetzen.

Zum Dank sprach Marta einen besonderen Segen: Selbst wenn die Stadt in Schutt und Asche falle, solle dieses Haus für immer vom Feuer verschont bleiben.

Ob es der Segensspruch war oder ein glücklicher Zufall, weiß niemand. Doch während viele Gebäude der Stadt im Laufe der Zeit Bränden zum Opfer fielen, blieb das heutige Hexenhaus erhalten. Die Sage erinnert daran, dass Mitgefühl und Hilfsbereitschaft gerade in schweren Zeiten besonders wertvoll sind.

Der Frosch im Rohr der Wasserkunst | Žaba we wodarni

Der Sage nach sollte Baumeister Wenzel Röhrscheidt ein Wasserwerk bauen, das Budissin zuverlässig mit Spreewasser versorgt. Doch als das Werk fertig war, floss kein Wasser. Röhrscheidt musste um sein Leben fürchten und konnte nur knapp aus dem Kerker entkommen.

Erst in einem Traum erkannte er die Ursache: In einem Rohr steckte ein Tier. Tatsächlich fand er dort am nächsten Tag einen Frosch. Als er ihn herauszog, begann das Wasser zu fließen. Die Stadt war gerettet – und Röhrscheidt auch. Diese Sage zeigt: Manchmal entscheidet nicht die Größe eines Problems darüber, wie schwer es wiegt.

Zmij

Bild: Norman Paeth

Der Zmij gilt in der Oberlausitz / Hornja Łužica nicht als gefährlicher Drache, sondern als hilfreicher Hausgeist – solange man nicht zu viel will. Einer Sage nach lebte er bei einer Familie als kleiner, schuppiger Mitbewohner: etwa so groß wie eine Henne, mit Flügeln und Augen, die wie warmes Ofenglühen leuchteten.

Die Hausfrau stellte ihm regelmäßig eine Schüssel Hirsebrei hin und hängte daneben eine Socke auf. Von nun an fand sie jeden Morgen darin eine Münze. Doch eines Tages wurde ihr Mann gierig: Er schnitt die Spitze der Socke ab, damit möglichst viele Münzen hindurchfallen konnten.

In der Nacht hörte man es tatsächlich klimpern. Doch anstelle von großem Reichtum, fand das Bauernpaar am nächsten Morgen jede Menge Pferdemist. Sogar bereits gesammelten Münzen hatten sich zurückverwandelt – der Hirsebrei blieb unberührt.

Die Sage erzählt: Der Zmij hilft gern den Bescheidenen. Wer jedoch versucht, ihn auszutricksen oder das Glück zu erzwingen, verliert am Ende alles.

Alles weitere Wissenswerte zum Bautzener Sagenpfad finden Sie auf Bautzener Sagenpfad – Stadt Bautzen

5 obersorbische Vokabeln für Ihren sagenhaften Besuch in Bautzen / Budyšin

Sage - powěsć

 Gasse – hasa

 Stadtrundgang – wobchod po měsće

 Erzählung - powědančko

 Sagenfiguren – powěsćowe figury


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